VON ANNE-MARIE UND KÄTE UND JÁNOS UND … HEUTE

Jetzt tun wir mal so als ob. Als ob ich mich mit Anne-Marie oder Käte oder János verabredet hätte – an einem bestimmten Ort – meiner Wahl. Und dort erzähle ich Anne-Marie oder Käte oder János, warum: warum hier; warum dieser Ort etwas mit ihr oder ihm oder mir zu tun hat.

Anne-Marie und Käte und János sind sogenannte historische Figuren. Sie leben nicht mehr (oder wenn doch, dann weit entfernt), verkörpern aber ein bestimmtes historisches Kapitel: hier die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland.

Für unser Ortstreffen brauchen wir Gesprächsstoff, dafür haben wir folgende Quellen: 1/ Das Tagebuch, das János im KZ Bergen-Belsen schreib, mit 11 Jahren: über seinen Lageralltag und seine Lebensträume. 2/ Die Briefe, die Anne-Marie Meier-Graefe Broch 1950 an den fernen Geliebten sandte: über den Verkauf der Familienvilla in Zehlendorf und den Neubeginn in Saint Cyr sur Mer. 3/ Die Worte, die von Käte Laserstein wie gedruckt an die Schwester nach Schweden gingen, sowie die Bilder, die eben jene Lotte Laserstein nachgerade weltberühmt machten.

Zu János/Jovan Rajs und Anne-Marie Meier-Graefe Broch und Käte/und Lotte Laserstein entwickelte Vajswerk bereits Projekte mit Jugendlichen, denen eine mehrmonatige Recherche vorausging. Für VON ANNE-MARIE UND KÄTE UND JÁNOS UND … HEUTE liegen diese Ergebnisse vor, ausgerichtet auf die besondere Aufgabe: die imaginäre Verabredung an einem konkreten Ort und die persönliche Ansprache dort.

Für VON ANNE-MARIE UND KÄTE UND JÁNOS UND … HEUTE arbeitet Vajswerk mit drei Schulen zusammenmit drei Schulklassen, die weitgehend autonom arbeiten – nach einer gemeinsamen Auftaktveranstaltung im Haus der Jugend Zehlendorf und einem Gang über den Waldfriedhof Dahlem. Auf der Abschlussveranstaltung werden alle Gespräche/Begegnungen/Audios/Videos dem Publikum gezeigt. Sobald wir das Datum wissen, geben wir es bekannt!

Gefördert wird das Projekt vom Jugendamt des Bezirks Steglitz-Zehlendorf.

DEIN PLATZ IN DER WELT

LOTTE UND KÄTE LASERSTEIN 1933 und 1955.

Ein Recherchestück für Jugendliche mit zwei Schauspielerinnen.

Eigentlich. Eigentlich sollte 2024 Vajswerks langjährige Laserstein-Reihe ihr Ende finden – mit der Uraufführung von zurück.bleiben im Haus der Wannsee-Konferenz. Eigentlich. Aber dann sollte 2025 doch Käte Lasersteins 125. Geburtstag begangen werden: mit satten sechs Projekten und Veranstaltungen – wenn wir die Inge-Deutschkron-Preisverleihung und das Kalenderblatt des Deutschlandfunks hinzurechnen, in dem auch von Vajswerks Recherche berichtet wird.

In der Arbeit mit den verschiedenen Jugendgruppen fiel indes auf, dass es zum einen kein Laserstein-Theaterstück FÜR Jugendliche gibt und dass zum anderen mit Lotte und Käte sehr wohl dem Antisemitismus begegnet werden kann – im 20. und 21. Jahrhundert. So entsteht DEIN PLATZ IN DER WELT. LOTTE UND KÄTE LASERSTEIN 1933 UND 1955 in 2026.

1933 ist es vorbei. Mit dem Platz in der Welt, in Deutschland. Mit den ersten Erfolgen als Malerin, dem Referendariat an einer staatlichen Schule. Lotte und Käte Laserstein sind für die Nazis „Dreivierteljuden“. – Durch eine Ausstellung kann Lotte nach Schweden ausreisen, Käte taucht in Berlin unter, fast drei Jahre in einer Laubenkolonie. Die Mutter wird im KZ Ravensbrück ermordet.

1955 zieht Käte wieder in die Alte Wohnung in Steglitz, Lotte kauft sich auf Öland ein Sommerhäuschen – so richtig schwedisch. Beide auf der Suche nach einem Platz in der Welt. Das ist doch heute, oder?

Aus biografischer Forschung und szenischem Spiel geraten wir geradewegs in unsere Lebenswirklichkeiten 2026.

Wir spielen satte sieben Mal, sowohl vormittags als auch abends: es wird also etwas für Jugendliche und Erwachsene. Und parallel erscheint ein mehrteiliger Podcast.

Die Uraufführung ist am 26. November 2026 im Haus der Jugend Zehlendorf; sobald alle Vorstellungstermine feststehen, werden sie hier bekannt gemacht. Bis dahin!

Es spielen und recherchieren: Laura Mitzkus und Charlotta Bjelfvenstam. Dramaturgie und/oder Regie: Anna Carola Krausse und Christian Tietz. Podcast: Felicitas Braun. 

DEIN PLATZ IN DER WELT wird gefördert von der Heinz und Heide Dürr Stiftung sowie aus Sondermitteln der Bezirksverordnetenversammlung Steglitz-Zehlendorf und dem KiA-Programm/Kultur für ein junges Publikum.

RECHERCHE-TERMIN-REIHE

Vajswerk im Hennwack  – Antiquariat, Buchhandlung und Café – Feuerbachstr.26 12163 Berlin

Einmal im Monat 19 Uhr   Eintritt frei   Programm bis Dezember 2026 – als PDF

Es ist ja nicht so, dass nur Vajswerk recherchiert. Im Gegenteil, viele tun dies, oft für sich oder beruflich, oft über viele Jahre. Einigen von ihnen sind wir schon begegnet, manchmal sind daraus Projekte für Vajswerk entstanden. Es könnten auch mehr werden. Zum Beispiel durch die Menschen und ihre Recherchen, denen wir ab Mai 2026 eine Bühne, einen Raum geben, im Hennwack, fast immer an einem Donnerstag im Monat.

Do. 07.05. 19:00 – Marcus Heusel

Ein Jugendgerichtshelfer recherchiert nach Zusammenhängen und Auswegen

In einem kleinen Film berichtete Marcus Heusel erstmals öffentlich von seiner Arbeit; mit Vajswerk entwickelte er die Projektidee von Was denn schiefe Bahn?! Wieviel Recherche macht den Alltag eines Jugendgerichtshelfers im Bezirk Steglitz-Zehlendorf aus?

Fr. 26.06. 19:00 – Ingrid Damerow

Eine Osteuropa-Historikerin recherchiert vor ihrer Reise, in post-sowjetische Länder, seit 1991

1991 kam Ingrid Damerow zum ersten Mal nach Belarus; seitdem ist sie viele Male dorthin gereist; auch ins Baltikum, in die Ukraine, für Blodveger auch nach Russland. Wie verändern sich die Begegnungen von Menschen aus Ost und West vor dem politischen Hintergrund?

Do. 16.07. 19:00 – Marina Veselinović

A Great-Granddaughter’s Research about a Teacher from Kumane Executed at KZ Bejsfjord

Im serbisch-norwegisch-deutschen Projekt Code Viking porträtierte Marina Veselinović in einem Dokumentar-Video den Bruder ihres Urgroßvaters, der in einem deutschen KZ bei Narvik erschossen wurde. Fünf Jahre später erzählt sie von neuen Recherchen – in English.

Do. 20.08. 19:00 – Hanna Sjöberg

Eine Textilkünstlerin recherchiert die Flucht und Heimkehr eines serbischen Zwangsarbeiters

Wieviel Kunst steckt in der Recherche von Hanna Sjöberg, wie lässt sich der Fluchtweg von Peter Filipović nachzeichnen: unter der Mitternachtssonne drei Wochen zu Fuß auf dem Fjell, im Boot eines Samen ins neutrale Schweden, dann ins mittlerweile sozialistische Jugoslawien?

Do. 17.09. 19:00 – Anna-Carola Krausse

Eine Kuratorin und Editorin recherchiert nach Lotte Laserstein / Teil 1: vor Stockholm

Mit ihrer Werkschau im Ephraim-Palais 2003/2004 leitete Anna-Carola Krausse die (Wieder-) Entdeckung der Malerin Lotte Laserstein ein. Exemplarisch kann gezeigt werden, wie sich über viele Jahre eine Biografie nach und nach erschließt, ein Menschenpanorama entsteht.

Do. 08.10. 19:00 – Susanne Heim

Eine Historikerin recherchiert zur Arbeit der Frauen in der Flüchtlingshilfe 1933-1945

Anfang des Jahres 2026 erschien bei C.H.Beck Susanne Heims Die Abschottung der Welt. Als Juden vor verschlossenen Türen standen. Hieraus stellt sie die weithin unbekannten Frauen der Flüchtlingshilfe in den Mittelpunkt des Abends, als Beispiel für biografische Forschung.

Do. 05.11. 19:00 – Anna-Carola Krausse

Eine Kuratorin und Editorin recherchiert nach Lotte Laserstein / Teil 2: nach Stockholm

Zu weiteren Recherchen ihrer Laserstein-Briefedition reist Anna-Carola Krausse im Herbst 2026 nach Stockholm. Gleich im Anschluss teilt sie ihre Ergebnisse, die gleich im Anschluss vielleicht auch Eingang finden in Vajswerks Laserstein-Reihe / Teil 7.

Do. 03.12. 19:00 – Alejandra Ory und Alfred Kamala Olszok

Internationale Adoptivkinder in BRD&DDR recherchieren nach ihrer Herkunft

Zu Vajswerks Wintertreffen 2026 kamen Alejandra Ory und Alfred Kamala Olszok. Was sie von sich, von internationalen Adoptionen in BRD und DDR erzählten, war uns völlig unbekannt. Jetzt beginnen die beiden von Anfang an, vielleicht mit einer Fortsetzung im Januar 2027.

Willkommen im Gespräch!