ANNE MARIE

ANNE MARIE. Von der Argentinischen Allee 20 zur 20 East 62nd.

Anne Marie. Annemarie. AnneMarie. Anne-Marie. Genannt Busch. Oder Bouche. Meier-Graefe. Broch. Geborene Epstein. Aufgewachsen in der Argentinischen Allee 20 (Berlin), u.a. wohnhaft in der 20 East 62nd (New York), gestorben in Saint-Cyr-sur-Mer, rund 50km östlich von Marseille. Diesen Weg schreiten wir ab und schauen auf 88 Jahre, auf ein Leben, dessen Mittelpunkt wohl bei uns um die Ecke gelegen hätte. Anne Marie war 27 Jahre alt, als sie vertrieben wurde, als deutsche Jüdin. Ihre Geschichte handelt von Verfolgung und Exil und vom Kampf um Selbstbestimmung, von der Autonomie als Künstlerin.
Unser Recherche-Theater-Projekt für Jugendliche beginnt im März und endet mit drei Werkstattaufführungen im November.

Im Frühjahr 2017 zeigten wir Anne Marie zum ersten Mal, aber nur kurz: in „Arg28. Das Haus und der Turm der blauen Pferde“. Die Argentinische Allee 20 – die Epstein-Villa – war das architektonische Vorbild der Argentinischen Allee 28, dem heutigen Haus der Jugend, wo unsere Aufführungen auch stattfanden. Das Publikum begegnete Bewohnern, Besuchern und Nachbarn des Landhauses am Zehlendorfer Waldsee. Anne Marie (1905-1994) war eine von ihnen, das einzige Kind von Elsbeth-Luise und Walter Leo Epstein. Ihr Vater starb früh, 1918, er bekam ein Ehrengrab in Nikolassee; ihre Mutter wurde 1942 deportiert und in Maly Trostenez bei Minsk erschossen. Anne Marie lebte mit ihrem ersten Mann im französischen Exil und floh nach dessen Tod in die USA. 1951 besuchte sie zum ersten Mal ihr altes Zuhause; ihr neues suchte sie in der Provence. War Anne Marie eine berühmte Persönlichkeit? Oder hatte sie nur zwei berühmte Ehemänner? Stand sie auf dem Foto links neben Thomas Mann als Frau des Kunstkritikers Julius Meier-Graefe; wurde sie als Frau des Literaturnobelpreis-Kandidaten Hermann Broch von Hannah Ahrendt fotografiert? Anne Maries Briefe erzählen nicht nur vom Leben und Überleben, sondern auch von der Existenz als Künstlerin, von der Suche nach einem Ort für sich.

Es recherchieren / lesen / spielen: Beate Niemann, Ben Petrioli, Hannelore Wücke,  Lena Hoffmann, Lina von Kries, Lisa Haucke, Joshua Engel, Rubina Franke, Tabea Goßlau; Leitung: Christian Tietz
Das Projekt wird gefördert aus Mitteln des Berliner Projektfonds Kulturelle Bildung.

Uraufführung am 2. November 2018 im Haus der Jugend Zehlendorf. Wiederaufnahme am 11. Januar 2019. – Am 30. Januar waren Ausschnitte beim Jugendforum „denk!mal19“ im Berliner Abgeordnetenhaus zu sehen. Trailer und Live-Mitschnitt s.u.

2023 machte Thea Schaare einen kurzen Animantionsfilm über Anne-Marie und ihren Besuch in Berlin im März 1951, ihr Wiedersehen mit dem Haus in der Argentinischen Allee.

Der Kurzfilm war Teil der Ausstellung des Jugendforums denk!mal24 im Berliner Abgeordnetenhaus und ist nun auf Youtube zu sehen.

 

Fotos: Kai Otte

Anlässlich des Jugendforums ‚denk!mal‘ zum internationalen Gedenktag an die NS-Opfer war ANNE-MARIE am 30.1. zu Gast im Abgeordnetenhaus. Hier der Link zur TV–Übertragung.

Den Flyer zum Stück finden Sie hier.

IDA FINK: DER TISCH

War der Tisch nun groß oder klein? Stand er schon da oder wurde er auf den Platz getragen? Gab es ihn überhaupt? Ist es wichtig? Ist so etwas wichtig, wenn vier Überlebende von einer Selektion und Massenerschießung berichten? „Der Schnee auf den Straßen der Stadt war rot. Rot! Genügt das?“

Ida Fink nennt „Der Tisch“ ein Stück für vier Stimmen und Basso ostinato. Die vier Stimmen sind die vier Überlebenden; das sich ständig wiederholende Bassmotiv ist das Fragen: was ist passiert, was genau ist passiert; an was wird sich erinnert und auf welche Art und Weise.

Vier Überlebende – zwei Frauen und zwei Männer – legen Zeugnis ab von einer Selektion in einer kleinen Stadt; über 1200 jüdische Menschen wurden Opfer dieser Aktion der Gestapo, Anfang der 1940er Jahre.

Solche Aktionen sind der Kristallisationspunkt des Stückes und des Werkes von Ida Fink. Selbst Überlebende jener Aktionen, schreibt sie vom Aufkommen des Begriffes ‚Aktion‘, von den Geschehnissen währenddessen, von der Ausgesetztheit der Opfer, dem Sterben der Menschen, dem Leben der Menschen – dem Menschen selbst.

1921 im ostpolnischen Zbaraž, dem heute ukrainischen Sbarasch geboren, überlebte Ida Fink verschiedene Selektionen in ihrer Heimatstadt und schließlich mit falscher Identität – als polnische Zwangsarbeiterin – in Deutschland. 1957 wanderte die studierte Musikerin von Polen nach Israel aus, wo sie 2011 starb.
Als Schriftstellerin debütierte sie spät; 1985 erhielt sie den erstmals verliehenen Anne Frank-Literaturpreis, 2008 den Israel-Preis für Literatur u.a.
Für Yad Vashem führte Ida Fink Interviews mit anderen Überlebenden. Neben ihren eigenen, authentischen Erfahrungen finden sich in „Der Tisch“ weitere Perspektiven und Zeugenschaften. Fiktiver Ausgangspunkt sind Zeugenbefragungen für einen Prozess gegen die Täter.

Die deutschsprachige Erstaufführung findet nun in einem Haus der Täter statt, in der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz, wo am 20. Januar 1941 die Besprechung zur „Endlösung der Judenfrage“ abgehalten wurde.
Am 20. Januar 2018 wird das Publikum dort, bei einem Gang durch die Ausstellung, erstmals eine Inszenierung von Ida Finks „Der Tisch“ zu sehen bekommen.

Es spiel-t-en Laura Mitzkus / Heidi Wagner, Isabella Szendzielorz / Astrid Kohlhoff, Tim Mackenbrock / Manolo Palma, Charles Toulouse; Christian Tietz inszeniert.

Deutschsprachige Erstaufführung am 20. Januar 2018 im Haus der Wannsee-Konferenz. Wiederaufnahme am 26. Januar 2019 im TAK, im Theater im Aufbau-Haus. – Im Anschluss an die Vorstellung am 27.1. fand eine Podiumsdiskussion statt: „Der Genozid von 1942 und der Antisemitismus von 2019.“  Mit Susanne Heim (Institut für Zeitgeschichte München), Gideon Botsch (Moses Mendelssohn Zentrum Potsdam), Naomi Czernetzki (Halvorsen Schule Berlin), Gunnar Meyer (BildungsBausteine e.V.) – Den Flyer der Veranstaltung gibt es hier.

Am Sonntag, 21. Februar 2021 zeigten wir das Stück als Stream, auf dringeblieben.de  – Anschließend fand ein Publikumsgespräch auf Zoom statt: „Eine Massenerschießung, die Rechtsprechung und ein Theaterstück.“ Mit Dr. Tina Heidborn (Moderation; Osteuropa-Historikerin und Journalistin), Dr. Hans-Christian Jasch (Rechtshistoriker, Co-Autor „Der Holocaust vor deutschen Gerichten), Ingrid Damerow (Osteuropa-Historikerin; Recherche für die DEA im Haus der Wannsee-Konferenz) & dem Ensemble.

Kritiken der Erstaufführung: in der taz vom 22.01. (pdf) sowie im Neuen Deutschland vom 27/28.01. (pdf).

Mit freundlicher Unterstützung der Heinz und Heide Dürr Stiftung, der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz sowie dem Haus der Jugend Zehlendorf.

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Charles Toulouse, Isabella Szendzielorz, Tim Mackenbrock, Laura Mitzkus; Fotos: Kai Otte

SIMON WINKLER 1986-2007 SCHAUSPIELER

Ein Recherche-Theater-Projekt von Filou · AMG · Vajswerk

Ausgezeichnet mit dem amarena-Förderpreis des Bundes Deutscher Amateurtheater 2017

SIMON WINKLER 1986-2007 SCHAUSPIELER wird ein Stück über einen jungen Menschen in einer kleinen Stadt. Der spielte Theater, ging auf die Schauspielschule und starb mit 21 Jahren an den Folgen eines Autounfalls. Wir zeigen seine Geschichte und zugleich die einer Jugend – und fragen uns: Was bleibt von einem Leben, das so kurz und so plötzlich vorbei war?

Nach einer Recherchephase im Frühjahr steht im Herbst eine Reihe Schauspieler auf der Bühne des Beckumer Stadttheaters, seines Theaters. Die Akteure sind zum einen seine Bekannten und zum anderen Schüler*innen des AMG, seiner Schule, des Albertus-Magnus-Gymnasiums.

Das gesammelte biographische Material – drei Antworten auf drei Fragen – ist der eine Teil der Inszenierung, der andere sind die Filmausschnitte mit Simons Rollen bei Filou: Der Bürger als Edelmann, Frohes Fest, Bubblegum und Brillianten, Norway.Today, Klasse der Besten, Hamlet. Es entstehen unterschiedliche Bilder eines Menschen: durch Erzählungen, Kameraaufnahmen, Rolleninterpretationen, Schülerimprovisationen.

Die Jugendlichen von heute sind schon auf der Bühne, die Jugendlichen von damals treten hinzu – sie kommen wie gerufen und spielen mit. Die schriftlichen Antworten werden zu mündlichen, die Antwortenden werden zu Mitspielern. In dem Augenblick eines Theaterabends bildet sich ein Ensemble aus Jugendlichen, jetzigen und damaligen, mit einem Jugendlichen in ihrer Mitte, Simon Winkler. – Das Stück wird keine Gedenkveranstaltung; es handelt vom Tod, aber mehr noch vom Leben und vom Theater.

Mit Anja Plassmann, Anna Hillmer, Christian Tietz, Felicitas Braun, Hilde Broschk, Joshua Engel, Marina König, Markus Berkemeier, Melanie Jantzen, Nisa Dinc, Tabea Lotka, Tendayi Plokarz.
Regie & Idee: Christian Tietz, Filmaufzeichnung: Kalla Füchtenkamp, Schnitt: Felicitas Braun

Die beiden Aufführungen waren am 18. und 19. November 2017 im Stadttheater Beckum zu sehen. Die Projektpräsentation samt Preisverleihung fand am 28. September 2018 beim bdat-Festival in Leipzig statt.

Trailer:

Stückdoku:

Photo: Norway.Today, 2005, Bühnenbildmodell von Christian Held

DAS TAGEBUCH DES JÁNOS REISZ, 1467 KN.

Von Dezember 1944 bis April 1945 führte János Reisz ein Tagebuch im KZ Bergen-Belsen. Mit seinen elf Jahren war er der vermutlich jüngste Tagebuchschreiber in einem Konzentrationslager überhaupt. In dem kleinen Heft befinden sich auch Zeichnungen, Liedtexte, ein Schulaufsatz, zwei amtliche Schreiben. Mit diesen und weiteren autobiographischen Zeugnissen entsteht ein Recherche-Theater-Projekt mit Jugendlichen.

Es gibt ein Tagebuch, es ist kleiner als ein DinA6-Heft und selbstgefertigt: gefaltete Papierbögen, an der Falz mit einem Faden zusammengenäht, mit Bleistift beschrieben, in ungarischer Sprache. Die Titelseite ist gestaltet wie ein Buch, zu dem auch ein Titel gehört: Lagerleben in Bergen. Der Autor nennt auch Namen, Ort und Zeit: János Reisz, Bergen Belsen, Krs. Celle. 7.12.1944 – 8.4.45. Das Abreisedatum wurde am Tag der Abreise oder kurz danach notiert, mit breiterer, abgenutzter Bleistiftmine.

Das Tagebuch gibt einen authentischen Blick auf das Leben im KZ Bergen-Belsen, im Sonderlager für Juden aus Ungarn – aus der Perspektive eines 11jährigen Kindes aus Serbien, das mit der Flucht von Belgrad nach Szeged von Jovan zu János wurde.

Dieses Tagebuch lesen wir nun in deutscher Übersetzung, gemeinsam in der Gruppe. Und zum Schluss tragen wir es auch vor; es steht im Zentrum unseres Projektes. Die Fragen, die sich uns beim Lesen stellten, werden Teil des Stücks: was steht da, was bedeutet das? Der (Lern-) Prozess kommt mit auf die Bühne und wird somit gleichzeitig für das Publikum nachvollziehbar.

Hinzugezogen werden zusätzliche autobiographische Zeugnisse, die drei erzählerischen Bücher von Jovan Rajs. Wir fragen ihn aber auch selbst – er lebt heute 84jährig in Stockholm – und laden ihn einmal zum Gespräch nach Bergen-Belsen. (Und zur Premiere nach Berlin natürlich.) Eine Exkursion führt uns von Berlin zur niedersächsischen Gedenkstätte, die gleichzeitig unser erster Kooperationspartner ist.

In der historischen und darstellerischen Auseinandersetzung mit einem Tagebuch entsteht eine multiperspektivische Spielfassung, die Jugendliche gemeinsam erarbeiten, erspielen und schließlich auch selbst aufführen – als Forscherteam über János Reisz, 1467 Kn.

Mit Annika Woyte, Ben Petrioli, Cassian Rätsch, Clément Lamy, Daniel Berndt, Daniel Jeske, Denise Wendt, Gisele Bergfried, Jahn Langner,  Jan Feist, Jakob Neinaß, Janina Martin, Josefine Darge, Joshua Engel, Jürgen Pretz, Kardelen Korkmaz, Lena Hoffmann, Leo Maisels, Leon Beganović, Leon Groschk, Lisa Haucke, Lisa Stöer, Louis Ahl, Manar Ellababidi, Maxim Kleemann, Niklas Winkelsträter, Paul Schubert, Richard Hübner, Sami Badarjah, Silas Flemming, Timo Lindenberg, Timothy Kampa, Tom Herrmann.

Leitung Recherche und Spiel: Christian Tietz; Theaterpädagogik: Charles Toulouse; Recherche/Ungarn: Gabriella Valaczkay; Projektbegleitung: Naomi Czernetzky, Andreas Goßlau; Produktionsleitung: Gaby Oelrichs, Fotos & Video: Kai Otte.

Uraufführung am 25. Januar 2018 im Haus der Jugend Zehlendorf.

Weitere Aufführungen in der Gail S. Halvorsen Schule und im Stadthaus Bergen,  im Rahmenprogramm der Ausstellung „Kinder im KZ Bergen-Belsen“.

(Die interne Gefangenennummer war 1467, Kn stand für Knabe.)

Mit freundlicher Unterstützung

der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“,

der Gedenkstätte Bergen-Belsen und dem Haus der Jugend Zehlendorf.

ARG28. DAS HAUS UND DER TURM DER BLAUEN PFERDE

Unser Haus ist das in der Argentinischen Allee 28, gelegen zwischen Krumme Lanke und Mexikoplatz, mit einem großen Garten zum Waldsee. Es wurde 1910 für einen Unternehmer gebaut und 1949 zum Haus der Jugend gemacht. Gleich nach Kriegsende hatten es die Sowjets dem Bezirk Zehlendorf übergeben. Wie das?

Erzählen wir von den Bewohnern der ARG28, forschen wir nach ihnen, stellen wir sie dar! Was wollen wir mit ihnen zeigen: die großbürgerliche Besiedlung des Berliner Südwestens, den ungeklärten Mordfall von 1967, die Hausbesetzung von 1974? Oder die Verstrickung eines langjährigen Weggefährten Adolf Hitlers in das Attentat auf ihn, am 20. Juli 1944? (1938 hatte der Berliner Polizeipräsident die ARG28 zu seiner Dienstvilla gemacht.) Und wenn im Zentrum unseres Projektes ein Bild steht, ein weltberühmtes Gemälde, eine Ikone der Klassischen Moderne? Ein 16-jähriger Pfadfinder sah das Bild im Blockadewinter 1948/49 zum letzten Mal, in der ARG28, dann verliert sich die Spur von Franz Marcs „Der Turm der blauen Pferde“. Wie kam es hierhin, wohin verschwand es?

Im Verbund mit Historiker*innen und Künstler*innen machen sich Jugendliche auf die Spur – nach dem Grund ihres Ortes. Sie recherchieren und spielen. Mehr Infos finden sich hier.

Die Leitung haben Lena Hoffmann, Beate Niemann, Christian Tietz und Frank Zwintzscher.

ARG28 ist eine Koproduktion vom Haus der Jugend und dem Haus am Waldsee – Internationale Kunst in Berlin, sowie der Gedenkstätte Deutscher Widerstand und dem Recherchetheater Vajswerk.

Die Uraufführung war am 31. Mai 2017. Alle fünf Aufführungen waren am Ort des Geschehens zu sehen, im Haus der Jugend Zehlendorf, in der Argentinischen Allee 28.

Gefördert vom Berliner Projektfonds Kulturelle Bildung.

Fotos: Joselyn Pennerton

ANKUNFT BERLIN

ANKUNFT BERLIN. Ein Recherche-Theater-Projekt in zwei Teilen

Teil 1:
Im März 2017 wurden 15 junge Geflüchtete zu Autoren ihrer eigenen Geschichte: In zwei Workshops mit dem Medienpädagogen Paul Rieth und Projektleiter Mirko Winkelmann lernten sie Filmen und Schneiden – mit ihrem eigenen Mobiltelefon.

Sie berichteten von einem Ding, das sie vermissen, entbehren, das sie verloren haben. Von diesem verlorenen Ding erzählten sie an einem Ort, den sie selbst bestimmen, vor einem Kameramann, den sie selbst bestimmten.

Am Anfang und am Ende des Projekts kamen alle Jugendlichen zusammen; das Projekt startete mit dem gegenseitigen Kennenlernen bei der Eröffnungsveranstaltung und endete mit einer Präsentation vor Publikum. Ein Ergebnis der Workshops ist hier zu sehen:

Aufgrund des Persönlichkeitsrechts und in Absprache mit unserem Kooperationspartner, der sozialpädagogischen Praxis Langer, können an dieser Stelle leider nicht alle Ergebnisse der Workshops veröffentlicht werden.

Unser Dank gilt allen Teilnehmern und Unterstützer*Innen des Projekts.

Projektleitung: Mirko Winkelmann
Assistenz: Margarita Iov; Janetta Stroutchenkov
Workshops: Paul Rieth, Mirko Winkelmann
Pädagogische Mitarbeit: Marcus Heusel

In einem zweiten Teil von ANKUNFT BERLIN entwickelt Vajswerk eine historische Perspektive und blickt vom Ende des 1. Weltkriegs auf hundert Jahre Immigration nach Berlin. Die aktuellen Erzählungen und Filme der jugendlichen Flüchtlinge aus dem ersten Teil von ANKUNFT BERLIN werden damit integraler Bestandteil eines Gesamtpanoramas, eines imaginären Museum der verlorenen Dinge.

Teil 2:

Ein zufälliger Ort, ein Warteraum, ein Café, ein Bahnhofscafé. An dieser Stätte – in einer Stadt namens Berlin – führt das Schicksal sechs Menschen zusammen. Das Schicksal? Die Geschichte, unsere Geschichte, unser Stück. Sechs Biographien, die sich in einem Punkt kreuzen, aber hundert Jahre durchmessen und in verschiedenen Teilen der Welt beginnen: in Indochina, im osmanischen Reich, in der Sowjetunion, in Jugoslawien, in Galizien, in Schlesien, im Sudentenland.

Die sechs Menschen kommen aus Ländern, die mittlerweile nicht mehr existieren, zu neuen Staaten wurden, an andere Staaten fielen. Jetzt befinden sich diese Sechs auf einer Theaterbühne. Nicht als authentische Figuren im historischen Gewand. Biograph*innen haben nach ihnen recherchiert, sind in Archive gestiegen, haben Erinnerungen gelesen, Interviews geführt – haben für ein imaginäres Museum nach verlorenen Dingen gesucht. Sie sprechen.

In der Wirklichkeit des Theaters kommen diese Menschen zusammen, im Laufe eines Theaterabends entfalten sich ihre Lebensgeschichten, werden zum Panorama unserer Stadt. Erzählt wird anhand von Exponaten, so wie es sich für ein Museum gehört. Die Spielfassung gleicht einem Ausstellungskatalog, wie es Orhan Pamuk in seinem Roman „Das Museum der Unschuld“ beschreibt: die Summe der einzelnen Gegenstände ergibt die Geschichte, hier die Geschichte von sechs Menschen. Wie beim Literaturnobelpreisträger wird das Vajswerk-Museum „ausgewiesenermaßen ein Ort zum Leben.“

Teil 1 wird gefördert vom Berliner Projektfonds Kulturelle Bildung. Die Uraufführung von Teil 2 steht noch aus.

DIE LEBEN DES BERL KOSTINSKI

Berl Kostinski als Hans Vogeler, Berlin 1943

Berl Kostinski als Hans Vogeler, Berlin 1943

Nehmen Sie mich bitte mit?
Wer bist Du?
Ein Deutscher.
Wie heißt Du?
Vogeler. Hans Vogeler.

Berl Kostinski ist zwanzig Jahre alt, als er im August 1941 auf Soldaten der Wehrmacht stößt. Er ist lebensgefährlich verwundet, ukrainischer Jude und sowjetischer Kriegsgefangener. Er gibt sich als Deutscher aus, als Hans Vogeler. So wird er medizinisch vorsorgt, später als Dolmetscher im Süden Berlins eingesetzt.

Als im Sommer 1944 die Gefahr der Enttarnung bzw. des Fronteinsatzes zu groß wird, wechselt er wieder die Identität und taucht als Boris Kostin in einem Transport unter, der Zwangsarbeiter ins Rheinland bringt. Dort erlebt er das Kriegsende.

Jugendliche machen sich auf Spurensuche: nach Berl Kostinski und seinen Leben. Sie tragen Dokumente zusammen, lesen Erinnerungen, forschen nach den Lagern im Berliner Umland. Nun zeigen sie ein Spiel mit Identitäten – in dem es um Leben und Tod ging.

Mit: Joshua Engel · Lena Hoffmann · Richard Hübner · Leo Maisels · Diana Müller · Jürgen Pretz · Justin Rawlinson · Janetta Stroutchenkov · Felix Tismer · Sham Abdolal · Sarah Jessica Arndt · Laura Buhlmann · Louis Creutzburg · Paul Dahms · Laisa Dennewill · Sophie Große · Sarah Lange · Kevin Meyer · Clarissa Schmolinske · Jasmin Schulz · Marvin Stadthaus · Leon Zipser

Leitung: Christian Tietz · Karen Schäfer · Marcus Franke · Hanna Sjöberg · Ingrid Damerow · Olaf Löschke

Ein Recherchetheaterprojekt von: Deutsch-Russisches Museum Karlshorst · Haus der Jugend Zehlendorf · Fontane Gymnasium Rangsdorf · Vajswerk Recherchetheater Berlin

Uraufführung am 10. April 2016 im Deutsch-Russischen Museum Berlin- Karlshorst. Nach den fünf Aufführungen wurde das Stück im Februar 2017 noch dreimal gezeigt: im Haus der Jugend Zehlendorf und im Fontane Gymnasium Rangsdorf. Ausschnitte waren im Berliner Abgeordnetenhaus, beim Jugendforum denk!mal zu sehen; die Filmaufzeichnung dazu s.u.

Die Leben des Berl Kostinski im Berliner Abgeordnetenhaus
„Die Leben des Berl Kostinski“ bei einer Gedenkveranstaltung im Berliner Abgeordnetenhaus. Foto: Mia Carlotta Luecke.

Ausschnitte dieser Gedenkveranstaltung vom 18. Januar 2017, die von Alex-TV live übertragen wurde:

Den Flyer dieser Produktion gibt es hier zum Download.

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DAS SPIEL VON DINA UND JOVAN

Das Theaterstück basiert auf den Holocaust-Erinnerungen von Dina und Jovan Rajs, die 1968 aus dem damaligen Jugoslawien nach Schweden auswanderten. Berliner Jugendliche haben ihre Bücher gelesen und wollen daraus ein Theaterstück machen. Die beiden proben, spielen und überlegen und plötzlich stehen sie selbst da, Dina und Jovan, und spielen mit.

Kennengelernt hatten sich Dina und Jovan mit 17 und 21 Jahren, während einer Sommerfreizeit des Belgrader jüdischen Jugendclubs. Der Moment der Begegnung ist der Ausgangspunkt für das Theaterstück, das weitere Szenen der Erinnerung hervorruft: Wie Dina vorgeblich zur protestantischen Maria wird, wie sie bei ihrem Spielkameraden einen gelben Stern auf der Jacke entdeckt. Wie Jovan vom Tod seiner Familie erfährt, wie er im KZ Bergen-Belsen ein Tagebuch beginnt.

Die Inszenierung pendelt zwischen Kindheit und Jugend, Vergangenheit und Gegenwart, zwischen den beiden authentischen Figuren und ihren jugendlichen Darstellern. Diesen Vier folgt das Publikum bei deren Spiel und wird so Zeuge einer Annäherung an eigene und fremde Lebensgeschichten.

Die autobiographischen Bücher von Dina und Jovan Rajs erscheinen in der Edition Rugerup.

Mit: Dina und Jovan Rajs, Lisa Haucke und Joshua Engel.
Inszenierung: Christian Tietz, Koordination: Gaby Oelrichs, Fotos: Jeele Johannsen.

Ein Theaterprojekt von: Haus der Wannsee-Konferenz, Haus der Jugend Zehlendorf und Vajswerk Recherchetheater.

Uraufführung am 29. August 2015 im Haus der Wannsee-Konferenz. Das Stück wurde dort und im Teaterstudio Lederman/Stockholm gezeigt. Wiederaufnahmen gab es im Haus der Jugend Zehlendorf und in der ehmaligen Synagoge in Kitzingen, im Januar 2017. Im Sommer und Herbst 2017 war die schwedische Fassung, mit schwedischen Jugendlichen (und Dina und Jovan!) , im Boulevardteater Stockholm zu sehen. Am 21. März 2016 fand zudem eine Autorenlesung mit Dina und Jovan Rajs und ihren Übersetzern statt, im Literaturhaus Berlin.  Am 25. Januar 2018 hatte DAS TAGEBUCH DES JÁNOS REISZ, 1467 KN. in Berlin Premiere.

PS:
Sverigepremiären av DINA OCH JOVAN – Flyern finns här

Den Flyer dieser Produktion gibt es hier zum Download.