CODE VIKING 1942-2021

Aktueller Hinweis:  im Sommer 2024 machten wir uns auf den Weg von Berlin nach Narvik, zu den ehemaligen Lagern in Bjørnfjell und Beisfjord, im Kopf die Geschichte der jugoslawischen Zwangsarbeiter. Davon haben wir am 1. November berichtet, dabei auch einen filmischen Reisebericht gezeigt. Dieser ist  auf Youtube zu sehen.

In Kooperation mit dem Center for Public History in Belgrad und dem War and Peace MuseumNarviksenteret in Narvik sowie mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes und der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ (im Förderprogramm „Jugend erinnert“) veranstaltete Vajswerk das Rechercheprojekt Code Viking 1942-2021.

Beginnend – in der Pandemie – mit online-Treffen auf nationaler und internationaler Ebene, machten sich im Sommer 2021 Jugendliche aus Serbien, Deutschland und Norwegen selbst auf den Weg: nach der Geschichte der Zwangsarbeiter, die ab dem Sommer 1942 vom deutsch-besetzten Serbien ins deutsch-besetzte Norwegen deportiert wurden.

Die Reise nach Berlin wurde dabei von einem schweren Busunfall überschattet; aber schließlich gibt es Bilder aus Belgrad und Narvik, mit denen das Projekt bei einer hybriden Veranstaltung zu seinem Abschluss finden konnte.

Am 25. November wurden eine 22-minütige Projektdokumentation sowie einzelne Filme der Jugendlichen gezeigt: als Stream und an lokalen Orten in Berlin und Belgrad. Alle Filme sind nun zu sehen auf http://www.blodveger.info

Den Flyer für die Abschlussveranstaltung gibt es hier … und unten folgt noch die Ausschreibung von Anfang 2021, als Projektinfo.

 

DER SOMMER NACH DEM KRIEG. Stimmen aus Europa 1945.

Im Sommer 1945 ▶ lernt eine junge Deutsche Demokratie, Schlangestehen, Wildkräuterspinatkochen ▶ macht sich ein aus der Gefangenschaft entlassener Wehrmachtssoldat auf den Weg zur Universität ▶ beobachtet ein amerikanischer Besatzungssoldat, wie die jüdische Ehefrau des Festredners der Eröffnungsfeier jener Universität selbstverständlich fernblieb ▶ beginnt die dreimonatige Fahrt eines russischen Jungen aus der Zwangsarbeit in seine zerstörte Heimat ▶ sieht eine Überlebende der Leningrader Blockade ihren Vater wieder ▶ soll der ehemalige jugoslawische Zwangsarbeiter zu Hause vom Polarlicht in Norwegen berichten ▶ führt ein Cellist Tagebuch über eine Tournee durch die Ukraine ▶ suchen die US-Soldaten am Alexanderplatz nach Kaviar und die Rotarmisten bekommen dafür Nylons, Uhren, Präservative, Whisky ▶ kommen statt der Russen plötzlich die Franzosen ins Reinickendorfer Freibad ▶ verfolgt ein Soldat der Royal Army die Mühen der Reeducation ▶ bittet eine in der Illegalität überlebt habende „Sternträgerin“ die Berliner Behörden um Wiedereinstellung in den Schuldienst ▶ verlässt ein zehnjähriger Junge sein Versteck, das er erst als alter Mann wieder aufsucht: „Ich frage mich, ob das Leben im allgemeinen nicht zwischen Erinnern und Vergessen, einem Versinken der Welt im Vergessen, und der fortdauernden Bemühung verläuft, das Vergangene zu bewahren, das nicht mehr ist: Menschen und Dinge, Orte und Situationen.“ [Michał Głowiński] ◀ Wir geben Echo, im Sommer 2020. – Und vielleicht auch im Sommer 2021.

Drei Historiker*innen lasen und recherchierten, drei Schauspieler*innen sprechen und spielen: Ingrid Damerow, Julien Drouart, Stefan Paul-Jacobs; Laura Mitzkus, Manolo Palma, Charles Toulouse; Christian Tietz inszeniert.

Die Veranstaltungen am 8./9. und 15./16. August  waren allesamt ausverkauft – am historischen Ort der deutschen Kapitulation, im heutigen Museum Berlin-Karlshorst, das unser Recherche-Theater-Projekt auch freundlich unterstützte.

Im Mai 2025 zeigen wir DER SOMMER NACH DEM KRIEG in veränderter Form: mit einer stärkeren Ausrichtung nach Mittel-, Ost- und  Südost-Europa sowie einer anschließenden Podiumsdiskussion – als Veranstaltung der Bundeszentrale für politische Bildung: „Der Sehnsucht leisten Ängste Gesellschaft“  am 22. Mai um 18 Uhr im Panoramaraum der taz, , in der Berliner Friedrichstraße 21.

Den Flyer zum Stück finden Sie hier.

UNSER ERBE? Zehlendorf im Osten der Republik.

Mit dem Fall der Mauer und der deutschen Wiedervereinigung lag auch der Berliner Südwesten plötzlich im Osten der Republik, mitten in der einstigen DDR. 30 Jahre ist das nun her. Ist das unser Erbe?

Mit Jugendlichen aus dem Bezirk (und gerne auch darüber hinaus) gehen wir dieser Frage nach – und geben letztlich darauf eine Antwort, der theatralischen Art.

Im Laufe des Projektes besuchen wir zwei Museen (machen vielleicht auch einen Ausflug) und unterhalten uns mit sechs Vortragenden, die wir im Haus der Jugend Zehlendorf treffen: • die als ostdeutsche Jugendliche die Wende-Revolutions-Zeit erlebten • die als Kind mit den Eltern aus der BRD in die DDR zog • der als Soldat an der deutsch-deutsche Grenze patrouillierte und die als Schriftstellerin über jene einen Bestseller schrieb • der als ‚West-Import‘ Hochschulrektor in Thüringen wurde.

• Cindy Zinser und Alexander Skoczowsky: Vorwendejugend Aufwachsen in der Endzeit der DDR (Di., 13.10., 19 Uhr)

• Annette Leo: „Wo gefällt es Dir besser, im Osten der im Westen?“ 2x Deutschland, die Gründung von BRD und DDR (Di., 20.10., 19 Uhr)

• Mario Dittrich und Isabel Fargo Cole: Die Grenze, ein Grenzsoldat und eine Schriftstellerin Die innerdeutsche Grenze im Harz; militärische Sicherung und literarische Verarbeitung. (Di., 27.10., 19 Uhr)

• Wolf Wagner: Transformation, Übernahme, Ausverkauf? Wiedervereinigung per Beitritt – welche Folgen hatte diese Entscheidung? (Di., 10.11., 19 Uhr)

Wir verfolgen und gestalten diesen Prozess und geben ihm zum Schluss eine Form, einen Ausdruck.

Wegen des Lockdowns war eine öffentliche Performance nicht möglich. Stattdessen fand am 24. November 2020 eine Filmpremiere statt, mit einzelen Filmen zu den einzelnen Vorträgen. Dazu gibt es auch einen Trailer, s.u.

Gefördert mit Mitteln der Senatsverwaltung für Kultur und Europa, aus dem Bezirkskulturfonds Darstellende Kunst.

 

Den Flyer zum Stück findet Ihr hier.

https://youtu.be/EVEDvdaSyZ0

GROSSES KINO DDR

Einen historischen Fall – und mutmaßlichen Filmstoff – nimmt das Recherchetheater Vajswerk zum Ausgangspunkt für seine neue Darstellung von DDR-Geschichte und dessen Rezeption. An der Schnittstelle von Wissenschaft und Kunst zeigte bereits TAMARA BUNKE. EINE HELDIN WIRD GEMACHT die Wechselwirkungen von Biographie und Instrumentalisierung. Die konkrete Geschichte einer tödlichen Republikflucht wird nun in GROSSES KINO DDR zur Auseinandersetzung mit dem zentralen Begriff von deutscher Teilung und Einheit: mit dem Begriff Freiheit und dessen politischer und gesellschaftlicher Deutung. „Er wollte nur die Freiheit“ heißt es auf dem Denkmal für den erschossenen Peter Fechter, das zehn Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer errichtet wurde.

Im Kalten Krieg erklärte Axel Cäsar Springer die an der innerdeutschen Grenze erschossenen Flüchtlinge für „Gefallene im deutschen Freiheitskrieg“. Gilt dies auch für Peter Reisch, der am 5. Juni 1962 an den Sperranlagen im Harz tödlich verwundet wurde? Dem Todesschützen – der zuerst geehrt wurde und dann seinerseits in den Westen floh – wurde ein Jahr später in Stuttgart der Prozess gemacht: Das Urteil gegen F. H. wurde zum ersten gegen die sogenannten Mauerschützen. Zu diesen beiden Männern gehört auch eine Frau; ein Brief an sie stecke in der Jackentasche des Republikflüchtlings. In der Heimat fest verwurzelt, geriet sie zwischen die Fronten und lebt heute in Thüringen.

Die Geschichte dieser drei ist ein Stoff, aus dem großes Kino gemacht wird, das dem DDR-Bild eines millionenfachen Publikums entspricht. Beispiele hierfür gib es zahlreiche in der Populärkultur, im gesellschaftspolitischen Mainstream: Freiheitswille versus Repression; DDR-Geschichte dient heute als Folie zur Legitimierung unserer freiheitlichen Gegenwart.

Vajswerk untersucht nun einerseits das Narrativ von Freiheit, Unterdrückung und Flucht in den 40 Jahren der Teilung und den 30 Jahren der Einheit und beschäftigt sich andererseits mit dem authentischen Fall – und den Folgen jener Schüsse aus dem Sommer 1962.

Hier finden Sie drei der zehn Puzzleteile der Inszenierung für das Heimkino:

Mit bzw. von: Laura Mitzkus, Charles Toulouse, Manolo Palma, Markus von Schwerin; Julia Jägle, Mirko Winkelmann, Stefan Paul-Jacobs, Anne Decker, Christian Tietz; Paul Fenski, Mareike Trillhaas.

Die Uraufführung war am 29. Oktober 2020 in der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde; am 12. November 2020 war das Stück als Stream zu sehen, zur Prime Time um 20:15. Im Sommer 2022 gab es eine Wiederaufnahme, eine regelrechte Tour: an drei Orten in Berlin sowie in Erfurt, Stuttgart und Egeln. Eine eigene Jugendfassung zeig(t)en wir  am 1.&2.Dezember 2022, am 6.&7. Juli 2023, am 5.&6. Dezember 2024 sowie am 8.&11. Juli 2025 – im Haus der Jugend Zehlendorf. – Außerdem machten wir uns im April 2024 auf zu einer 2. Deutschlandtour, mit besagter Jugendfassung. 2.4. Halle/Roter Ochse  – 3.4. Egeln/Schule an der Wasserburg – 5.4. Helmstedt/Arbeiterwohlfahrt – 12.4. Berlin, Felix-Mendelsohn-Bartholdy-Gymnasium – 22.4. Rathenow/Kulturzentrum.

Im Herbst 2026 kommt es zu einer Wiederaufnahme in Berlin und Egeln, parallel zu Noch so jung, im Sommer 1962. Sobald die drei Termine feststehen, werden sie hier vermerkt.


Projekt im Prozess: der Blog zu Großes Kino DDR

Großes Kino DDR – Wie alles begann

Nicht nur Schauspieler, sondern auch Rechercheur

Vom Interview zum dramatischen Text

I shot the refugee

Zwischen Telefon, Archiv und Zeitzeugen

Der Fall F.H., die „DDR“ und ihre Aufarbeitung

Schreiben ist Zuhören

Das Ende aller Liebeslieder

Und dann fragten sie sich selbst

„Wir machen gleich Einlass!“


Das Projekt wurde gefördert mit Mitteln der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, vom Fonds Darstellende Künste im Förderprogramm „#takeheart“ sowie vom Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf und Tempelhof-Schöneberg im Rahmen des KiA-Programms: Berliner Förderung der darstellenden Künste für ein junges Publikum.

Den Flyer zur Uraufführung finden Sie hier. Den Flyer zur Tour und Wiederaufnahme im Sommer 2022 finden Sie hier.

 

JUGEND’45

Recherche-Theater-Projekt mit Jugendlichen von Vajswerk | Haus der Jugend Zehlendorf | Archiv der Jugendkulturen.

In einer Villa in Zehlendorf, auf der Empore im Treppenhaus der Argentinischen Allee 28 haben sich junge Leute zusammengefunden. Suchen sie Schutz vor der Nacht, im Frühjahr 1945? Proben sie im Frühjahr 2020 ein Theaterstück? – Es sind Jugendliche von heute, die sich mit Jugendlichen von damals beschäftigen, mit ihren Erlebnissen, Erinnerungen, Texten – zum Kriegsende vor 75 Jahren.

Was kommt jetzt? Nach dem Staunen, dass man noch lebt. Wo hat wer überlebt? Ein Hitlerjunge im Luftschutzkeller? Eine Jüdin auf dem Todesmarsch? Ein Sinto im KZ? Eine Krankenschwester im Frontlazarett?

Für eine gewisse Zeit treffen sie sich an einem Ort – bis zur Auswanderung, bis zur Repatriierung, bis zum Lebensende – und planen eine Zukunft. Wie blicken wir in Deutschland 2020 auf die Zukunft von 1945?

Aus der Perspektive von Jugendlichen 1945/2020 entwickeln wir einen Theaterabend.

Jugend’45 begann im Januar, im Haus der Jugend Zehlendorf, mit drei geplanten Aufführungen im Foyer und auf der Empore des großen Treppenhauses. Und einem Gastspiel am 8. Mai in Karlshorst, genau dort, wo der zweite Weltkrieg in Europa offiziell zu Ende ging, mit der Unterzeichnung der bedingungslosen Kapitulation, am Tag genau vor 75 Jahren.

Aufgrund der Viren und der Kontaktsperren pausierte Jugend’45 zunächst und verlegte sich dann in den virtuellen Raum. Aus der Gruppe im Treppenhaus – dem Ensemble aus Einzelstimmen – wurde eine Gruppe im Internet: letztlich ein 40-Minuten-Film aus 22 einzelnen Einspielungen. – Die Uraufführung fand punktgenau am 8. Mai 2020 statt. Den Trailer zum Gesamtfilm gibt es unten! – Einen Live-Ausschnitt gab es zudem beim Jugendforum denk!mal des Berliner Abgeordnetenhauses zu sehen, am 27. Januar 2021 auf ALEX Berlin.

Das Projekt JUGEND’45 wurde gefördert durch „Wege ins Theater“, dem Projekt der ASSITEJ im Rahmen des Förderprogramms „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

Der Mai 1945 aus dem Mai 2020 im Mai 2025 neu gesehen
Von welchem Krieg reden wir?
Ein Film- und Gesprächsabend im Haus der Jugend Zehlendorf
zum 80. Jahrestag des Kriegsendes
am Mo. 12.5., 19:00, Argentinische Allee 28

Jugend’45 war unser Jugend-Recherche-Projekt in 2020. Am Ende des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren blickten wir auf die Jugendlichen damals: was haben sie erlebt, auf welcher Seite; wie geht es nun weiter für sie, nach dem millionenfachen Töten und Morden und dem eigenen Überleben? – Unter den Bedingungen der Pandemie entstanden einzelne Filme, die wir uns am 8. Mai 2020 gemeinsam ansahen – jede:r vor ihrem/seinem Bildschirm; eine Kurzfassung kam auf Youtube, siehe unten.

2025 jährt sich das Kriegsende zum 80. Mal und wir schauen auf beides zurück, auf 1945 und 2020: Wie hat sich unser Bild vom Weltkrieg, vom Krieg verändert? Kann die Vergangenheit tatsächlich Gegenwart werden; taucht der Krieg von damals in meinem Leben wieder auf; vielleicht schon durch Menschen, die aus laufenden Kriegen zu uns kamen?

Darüber wollen wir ins Gespräch kommen. Wir können uns zuerst die halbstündige Fassung der Filme vom Mai 2020 ansehen und direkt anschließen: Wäre unsere Erzählung vom Krieg heute eine andere?

Den Flyer zum Stück findet Ihr hier.

 

 

MAIKÄFER FLOG!

MAIKÄFER FLOG! ist ein Recherche-Theater-Projekt zu Kindheit und Kriegsende in Beckum. Hierfür wurden Dokumente zusammengetragen und Gespräche mit Zeitzeug*innen geführt. Entstanden ist ein Theaterabend, der im Herbst 2019 im ehemaligen Kloster Blumenthal/Dormitorium zu sehen war und 2021 ins Stadttheater Beckum kommt.

Auf der Bühne stehen Kinder und Jugendliche von 1945 und Erwachsene, die heute die Geschichten wieder- und weitererzählen.

Diese zwei Gruppen zeichnen ein multi-perspektivisches Bild des Krieges und seiner Auswirkungen. Die Gesamtheit der vielen, einzelnen und persönlichen Erinnerungen gewähren einen facettenreichen, umfassenden und kritisch-reflektierenden Eindruck über das Leben in einer kleinen westfälischen Stadt in Krieg und Nachkrieg – und sind zugleich ein Stück Weltgeschichte.

MAIKÄFER FLOG! ist eine Kooperation von der Kulturinitiative Filou, dem Beckumer Heimat- und Geschichtsverein und dem Recherchetheater Vajswerk; das Projekt wurde gefördert vom Land NRW.

MAIKÄFER FLOG! ist gleichzeitig der Beginn der Vajswerk-Trilogie zum Ende des Zweiten Weltkriegs: JUGEND’45 und DER SOMMER NACH DEM KRIEG. Stimmen aus Europa 1945. sind die Fortsetzungen.

Die Uraufführung fand am 16. November 2019 im Dormitorium statt. Die Wiederaufnahme im Stadttheater wurde durch die Lockdowns mehrmals verschoben. Anfang 2021 begann ein Nachfolgeprojekt, wurde eine Geschichtswerkstatt gegründet: A Little German Town. Zum Beispiel Beckum.

2025 kommt MAIKÄFER FLOG! aber endlich ins Stadttheater; die Wiederaufnahme findet am 1. April um 19 Uhr statt. – Im Rahmen der Beckumer Veranstaltungen zum 80. Jahrestag des Kriegsendes wird ein Gedenkort zur NS-Zwangsarbeit eingeweiht, eine kleine Ausstellung zu diesem Thema eröffnet und eben die Inszenierung aus 2020 erneut gezeigt. Im Stimmenbild vom Mai 1945 tauchen neben den Zeitzeug:innen – den Kindern und Jugendlichen von damals – nun auch Jugendliche von heute auf – aus den Theaterkursen der Kulturinitiative Filou. Willkommen!

DIE ZWEI SCHWESTERN LASERSTEIN

Im Sommer 2019 war in Berlin die große Lotte Laserstein-Ausstellung zu sehen; wir waren unter den 88.851 Besucher*innen der Berlinischen Galerie. Ihre Schwester Käte war Lehrerin an unserer Schule, der heutigen Halvorsen Schule. Aus beidem machen wir ein Theaterstück über beide. Unser Recherche-Theater-Projekt heißt DIE ZWEI SCHWESTERN LASERSTEIN.

Die zwei Schwestern Laserstein sind 12 und 14 Jahre alt, als die Mutter mit ihnen nach Berlin zieht; der Vater war früh gestorben. Lotte und Käte machen Abitur und studieren. Lotte kommt auf die staatliche Kunsthochschule und wird Meisterschülerin. Käte promoviert, publiziert drei wissenschaftliche Arbeiten zur Literaturgeschichte und entscheidet sich schließlich, Lehrerin an Höheren Schulen zu werden. Lotte bezieht als Malerin ihr eigenes Atelier und feiert ihre ersten künstlerischen Erfolge. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten können beide ihre Berufe nicht mehr ausüben; Käte wird aus dem Schuldienst entlassen, Lotte darf nicht mehr ausstellen, ihre Malschule wird geschlossen. 1937 nutzt Lotte eine Ausstellung in Stockholm um nach Schweden zu emigrieren; Käte taucht 1942 unter und überlebt in der Illegalität, in einer Berliner Laube. Die Mutter, Meta Laserstein stirbt 1943 im KZ Ravensbrück.

Mit privaten Porträtaufträgen baut sich Lotte in Schweden eine künstlerische Existenz auf. Käte kehrt 1954 nach Berlin zurück – acht Jahre lebte auch sie in Stockholm – und unterrichtet bis zu ihrem Tod (1965) an der Getrauden-Schule – der heutigen Gail S. Halvorsen Schule – Deutsch und Englisch. Lotte wird wenige Jahre vor ihrem Tod (1993) wiederentdeckt; auf dem Kunstmarkt sind ihre Gemälde heute Millionen wert.

Für DIE ZWEI SCHWESTERN LASERSTEIN haben wir Lottes Bilder und eine gründliche Schilderung ihres Werkes und Lebens. Von Käte gibt es zahlreiche Briefe (aus den 1950er Jahren), einen Aufsatz über sie als Germanistin und die Erinnerungen ihrer ehemaligen Schüler*innen. Mit diesen Werken, Hinterlassenschaften und Spuren sowie unseren Fragen und Recherchen und unserem Malen und Spielen entsteht ein Theaterabend.

Am 10. und 12. Dezember zeigen wir DIE ZWEI SCHWESTERN LASERSTEIN in der Aula, in der 1957 Käte die Rede für ihre ersten Abiturientinnen hielt.

Der 9er Kunst-Kurs der Halvorsen Schule recherchiert und malt und spielt: Antonia Kasparek, Armağan Arslan, Darlene Wendt, Emmi Guse, Israa Tohme, Jasmin Lampe, Joyce Richter, Laura Peter, Michelle Meyer, Patrick Brinkmann, Ruben Miersch, Samson Kühn, Sarah Jacobs, Steven Bachmaier, Tarek Korkmaz und Vincent Francioso. Unter der Leitung von Christian Tietz, Charles Toulouse, Kathrin Aurich und Gisela Hilbert-Irmer.

Gefördert vom Berliner Projektfonds Kulturelle Bildung und der Gail S. Halvorsen Schule.

Uraufführung am 10. Dezember 2019 in Berlin-Dahlem. Am 11. Januar war beim Tag der Offenen Tür der Halvorsen Schule eine Kurzfassung des Stückes zu sehen. Im Berliner Abgeordnetenhaus, beim Jugendforum denk!mal20 wurden DIE ZWEI SCHWESTERN LASERSTEIN in der Ausstellung gezeigt. – 2021 gab es ein erstes Nachfolgeprojet: LASERSTEINS ORTE – mit zwei Schauspielerinnen an der ersten und letzten Adresse der Lasersteins in Berlin. Und 2022 ein zweites, wieder mit Laura Mitzkus und Greta Galisch de Palma: LASERSTEIN OLLENDORFF (FRIEDLAENDER)

Den Flyer DIE ZWEI SCHWESTERN LASERSTEIN finden Sie hier. Und den Trailer zum Stück gibt es hier.

UNTER TROLLEN

Eine Theaterwerkstatt, ein Basketballverein oder die Kampagne zur Umbenennung einer Schule geraten unter Beschuss von Trollen. Die betroffenen Jugendlichen wollen das nicht hinnehmen und machen sich ans Werk. UNTER TROLLEN ist ein Theaterprojekt von und mit Jugendlichen, das sich mit dem zeitgenössischen Phänomen von Internet-Trollen inhaltlich und künstlerisch auseinandersetzt.

Das Phänomen ist nicht neu. Schon seit Mitte der 1980er gibt es im Netz digitalen Hass. Seitdem ist viel passiert. Trolle haben Hochkonjunktur. Sie unterminieren Diskussionen durch Häme und Beleidigungen in Kommentarspalten, beeinflussen Wahlen durch Fake News und sorgen für eine Verrohung der Streitkultur. All das spiegelt einen Trend wider, der sich nicht nur im Netz abspielt, sondern gesamtgesellschaftlich. Trolle haben eine politische Agenda. Ihre Absichten sind finster, rückwärtsgewandt und oftmals von national-chauvinistischer Ideologie geprägt.

Gemeinsam mit den Jugendlichen lesen, recherchieren wir, befragen geladene Expert*innen, beschäftigen uns mit Quellen, führen Interviews, berichten uns von eigenen Erfahrungen, schauen uns konkrete Fallbeispiele an. Folgenden Fragen möchten wir dabei nachgehen: Wer sind die Personen hinter den meist anonymen Accounts? Wovon werden sie angetrieben? Welche Methoden und Mittel benutzen sie, um ihren Hass zu verbreiten? Wie wirkt sich trolling auf Diskussionen aus und welche Folgen ergeben sich daraus? Hat diese Entwicklung eine Bedeutung für den Alltag junger Menschen und wenn ja, welche?

Es spielen und recherchieren Jugendliche der Gail S. Halvorsen Schule und des Haus der Jugend Zehlendorf

Video- und Animation: Sandra Rokahr, Wissenschaftliche Begleitung: Natascha Konradova; Dramaturgie: Mikhail Kaluzhsky; Projektleitung: Christian Tietz; Künstlerische Leitung: Charles Toulouse

UNTER TROLLEN wird gefördert vom Berliner Projektfonds Kulturelle Bildung.

Uraufführung am 24. Januar 2020 im Haus der Jugend Zehlendorf

Fotos und Trailer: Kai Otte

Den Flyer zum Stück finden Sie hier. Und einen Pressebericht von Zehlendorf Aktuell hier.

TAMARA BUNKE. EINE HELDIN WIRD GEMACHT

Nach Tamara Bunke wurden Schulen, Kindergärten und Jugendbrigaden benannt; Bücher wurden über sie geschrieben, ihr Leben – an der Seite Che Guevaras – wurde verfilmt; der Asteroid Bunke trägt ihren Namen.

Sie wurde 1937 in Buenos Aires geboren; ihre Eltern waren als Kommunisten aus NS-Deutschland geflohen. 1952 kehrten die Bunkes zurück, um in der DDR ein besseres Deutschland aufzubauen; 1967 wurde Tania in Bolivien als Guerilla-Kämpferin erschossen.

In Vajswerks Recherche-Theater-Projekt geht es um die Instrumentalisierung eines politischen Menschen, um dessen Rezeption: also mehr um das Nachleben als um das Leben einer 29-jährigen Revolutionärin: TAMARA BUNKE. Eine Heldin wird gemacht.

Auf der Bühne gibt es Tania gleich fünfmal. 1/ Als Vorbildfigur in der DDR. 2/ Als Reizfigur ebendort. 3/ Als DDR-Ikone in der BRD. 4/ Als gesamtdeutscher Star des Boulevards: als Geliebte Che Guevaras und/oder Stasi- und/oder KGB-Agentin. 5/ Als aktuelle Bezugsperson für Menschen, die sich mit dem Kauf von Fair-Trade-Produkten nicht zufrieden geben.

Es recherchier(-t)en und spiel(-t)en: Astrid Kohlhoff, Charles Toulouse, Laura Mitzkus, Mathis Eckelmann, Rosanna Steyer; Projektleitung: Julia Jägle undJanetta Stroutchenkov;  Regie: Felicitas Braun und Christian Tietz.
Gefördert von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und dem Bezirksamt Treptow-Köpenick.

Uraufführung am 30. November 2018 in der Hochschule für Technik und Wirtschaft. Wiederauffahme am 30. Januar 2020, ebenfalls in Oberschöneweide. – Eine Lesung im Rahmenprogramm der Sonderausstellung „Ein Land und seine Helden“ findet im DDR Museum statt: am Mittwoch, 10. August 2022 um 18 Uhr.

Fotos & Trailer: Silvio Beck

Den Flyer der Veranstaltung gibt es hier.

BLODVEGER

Vajswerk Recherche Theater Berlin
Blodveger
Дороги крови
Krvavi Putevi
Recherche-Theater-Projekt

Blodveger
Deutsch-norwegisch-schwedisch-russisch-serbisches Recherche-Theater-Projekt über sowjetische und jugoslawische Zwangsarbeiter im deutsch-besetzten Norwegen während des Zweiten Weltkriegs.
Historiker*innen aus Berlin, Narvik, Stockholm, Belgrad und Archangelsk recherchieren nach Lebensgeschichten von Zwangsarbeitern in Norwegen unter deutscher Besatzung. In BLODVEGER (Blutwege) lassen sie Zeitzeugnisse sprechen und stellen diese in den historischen Zusammenhang.
Deutschland hatte am 9. April 1940 aus strategischen und wirtschaftlichen Gründen Norwegen überfallen. Rund 130.000 Zwangsarbeiter – hauptsächlich aus der Sowjetunion und Jugoslawien – wurden dorthin verschleppt und vor allem für den Bau von Befestigungsanlagen, Straßen und Eisenbahnen eingesetzt. 16.500 von ihnen starben.
Die multi-perspektivische Inszenierung wird komplett in Berlin und Narvik gezeigt und auszugsweise mit den jeweiligen Länderschwerpunkten in Skinnskatteberg, Belgrad und Archangelsk präsentiert.
Bei der Berliner Abschlussveranstaltung wird www.blodveger.info freigeschaltet.

Blodveger
Et tysk-norsk-svensk-russisk-serbisk forskningsteaterprosjekt om sovjetiske og jugoslaviske tvangsarbeidere i det tyskokkuperte Norge under andre verdenskrig.
Historikere fra Berlin, Narvik, Stockholm, Arkhangelsk og Beograd har undersøkt tvangsarbeidernes liv i Norge under den tyske okkupasjonen. I BLODVEGER lar de tidsvitnene tale og setter deres beretninger inn i en historisk kontekst. Den 9. april 1940 ble Norge invadert av Nazi-Tyskland på grunn av strategiske og økonomiske interesser. Rundt 130 000 tvangsarbeidere, hovedsakelig fra Sovjetunionen og Jugoslavia, ble deportert til Norge. Under umenneskelige forhold arbeidet de for den tyske okkupasjonsmakten, de bygget veianlegg og jernbane samt forsvarsanlegg langs hele kysten. 16 500 av dem overlevde ikke. Den multiperspektivistiske oppsetningen blir vist i sin helhet i Berlin og Narvik, mens i Arkhangelsk, Beograd og Skinnskatteberg blir den presentert med fokus på det aktuelle landet.
Ved avslutningsarrangementet i Berlin blir nettsiden www.blodveger.info lansert.

Дороги крови
Немецко-норвежско-шведско-русско-сербский театрально-исследовательский проект
о советских и югославских принудительных работниках в Норвегии во время немецкой окупации.
Историки из Берлина, Нарвика, Стокгольма, Белграда и Архангельска исследуют биографии советских и югославских граждан, занятых на принудетельных работах в оккупированной нацистами Норвегии. В «Дорогах крови» историки используют свидетельства очевидцев, помещая их в рамки исторического контекста.
9 апреля 1940 года из стратегических и экономических соображений Германия напала на Норвегию и оккупировала ее. . Нацисты отправили в Норвегию на принудительные работы около 130 000 тысяч человек, преимущественно из Советского Союза и Югославии. Их труд использовался в первую очередь на строительстве укреплений, улиц и железнодорожных путей. 16 500 из них умерло.
Эта театральная постановка, отражающая взгляды на ситуацию с разных сторон, будет показана в Берлине и Нарвике полностью и выборочно – в Скиннскаттеберге, Белграде и Архангельске.
После заключительного представления в Берлине будет открыт доступ к сайту
www.blodveger.info

Krvavi Putevi
nemačko-norveško-švedsko-rusko-srpski projekat istraživačkog pozorišta o sovjetskim i jugoslovenskim prinudnim radnicima u Norveškoj, pod nemačkom opsadom za vreme Drugog svetskog rata.
Istoričari iz Berlina, Narvika, Stokholma, Beograda i Arhangelska istražuju lične priče prinudnih radnika u Norveškoj pod Nemačkom okupacijom. U Krvavim Putevima čuju se izjave svedoka tog vremena postavljene u istorijski kontekst.
Nemačka je 9. Aprila 1940, iz strateških i ekonomskih razloga, napala i zauzela Norvešku. Oko 130000 prinudnih radnika – najviše iz Sovjetskog Saveza i Jugoslavije – odvedeni su u Norvešku i iskorištavani pretežno za gradnju bunkera, puteva i pruge. 16500 ih je umrlo.
Multiperspektivna inscenacija će u celosti biti prikazana u Berlinu i Narviku, a u Skinskatebergu, Beogradu i Arhangelsku će se prezentovati projekat sa težištem na zemlji domaćinu.
Na završnoj manifestaciji u Berlinu će biti puštena u rad vebstranica: www.blodveger.info


Bloodways
Nazi Forced Labor in Northern Norway

A Norwegian-Russian-Serbian-Swedish-German research theater project by Vajswerk, the German-Russian Museum in Berlin and the Narviksenteret Norway.
Anyone who passes the Arctic Circle in Norway will take photographs or just look at the magnificent landscape of the Saltfjell. However few are aware that Nazi forced laborers laid the ground: Yugoslavian and Soviet forced laborers built the roads and the railways. They were the main victims of this gigantic and inhumane infrastructure program of the German occupiers. Of the 4,000 Yugoslav forced laborers, only 40% survived. The Yugoslav and Soviet forced laborers are subject to our biographical research theater project.

From a European perspective, we describe the Nazi forced labor in Northern Norway, the everyday life of forced laborers. Historians from Norway, Russia, Serbia and the country of escape Sweden and their respective German colleagues form a tandem of historiographical research. At an international conference and through the final presentations, representative individual fates are documented in a historical context. That will take place in Berlin, Narvik, Arkhangelsk, Belgrade and Skinnskatteberg. A website in German and Norwegian (with excerpts in Russian, Serbian and English) will be created at the same time: www.blodveger.info.

With Michael Stokke/Narvik and Sinje Kätsch/Berlin; Dr. Marina Panikar/Archangelsk and Ingrid Damerow/Berlin; Dr. Milan Koljanin/Beograd and Beate Niemann, Jovan Arsenić/Berlin; Hanna Sjöberg/Berlin; Head of the project: Gaby Oelrichs. Theater director: Christian Tietz
The project is funded by the Foundation EVZ „Remembrance, Responsibility and Future“.

Am 17. Oktober 2018 fand im Deutsch-Russischen Museum das internationale Colloquium zu BLODVEGER statt. Die Uraufführung von BLODVEGER war dann am 10. März 2019 in Berlin-Karlshorst zu sehen. In Narvik wurde anschließend das Stück komplett gezeigt (19.3.); Projektpräsentationen folgten in Skinnskatteberg (26.3.), Belgrad (6.4.) und Archangelsk (9.4.) – Ein Nachfolgeprojekt startet im Frühjahr 2021 parallel in Belgrad, Narvik und Berlin: Code Viking 1942-2021

Den Flyer der Veranstaltung finden Sie hier.