VON ANNE-MARIE UND KÄTE UND JÁNOS UND … HEUTE

Jetzt tun wir mal so als ob. Als ob ich mich mit Anne-Marie oder Käte oder János verabredet hätte – an einem bestimmten Ort – meiner Wahl. Und dort erzähle ich Anne-Marie oder Käte oder János, warum: warum hier; warum dieser Ort etwas mit ihr oder ihm oder mir zu tun hat.

Anne-Marie und Käte und János sind sogenannte historische Figuren. Sie leben nicht mehr (oder wenn doch, dann weit entfernt), verkörpern aber ein bestimmtes historisches Kapitel: hier die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland.

Für unser Ortstreffen brauchen wir Gesprächsstoff, dafür haben wir folgende Quellen: 1/ Das Tagebuch, das János im KZ Bergen-Belsen schreib, mit 11 Jahren: über seinen Lageralltag und seine Lebensträume. 2/ Die Briefe, die Anne-Marie Meier-Graefe Broch 1950 an den fernen Geliebten sandte: über den Verkauf der Familienvilla in Zehlendorf und den Neubeginn in Saint Cyr sur Mer. 3/ Die Worte, die von Käte Laserstein wie gedruckt an die Schwester nach Schweden gingen, sowie die Bilder, die eben jene Lotte Laserstein nachgerade weltberühmt machten.

Zu János/Jovan Rajs und Anne-Marie Meier-Graefe Broch und Käte/und Lotte Laserstein entwickelte Vajswerk bereits Projekte mit Jugendlichen, denen eine mehrmonatige Recherche vorausging. Für VON ANNE-MARIE UND KÄTE UND JÁNOS UND … HEUTE liegen diese Ergebnisse vor, ausgerichtet auf die besondere Aufgabe: die imaginäre Verabredung an einem konkreten Ort und die persönliche Ansprache dort.

Für VON ANNE-MARIE UND KÄTE UND JÁNOS UND … HEUTE arbeitet Vajswerk mit drei Schulen zusammenmit drei Schulklassen, die weitgehend autonom arbeiten – nach einer gemeinsamen Auftaktveranstaltung im Haus der Jugend Zehlendorf und einem Gang über den Waldfriedhof Dahlem. Auf der Abschlussveranstaltung werden alle Gespräche/Begegnungen/Audios/Videos dem Publikum gezeigt. Sobald wir das Datum wissen, geben wir es bekannt!

Gefördert wird das Projekt vom Jugendamt des Bezirks Steglitz-Zehlendorf.

DEIN PLATZ IN DER WELT

LOTTE UND KÄTE LASERSTEIN 1933 und 1955.

Ein Recherchestück für Jugendliche mit zwei Schauspielerinnen.

Eigentlich. Eigentlich sollte 2024 Vajswerks langjährige Laserstein-Reihe ihr Ende finden – mit der Uraufführung von zurück.bleiben im Haus der Wannsee-Konferenz. Eigentlich. Aber dann sollte 2025 doch Käte Lasersteins 125. Geburtstag begangen werden: mit satten sechs Projekten und Veranstaltungen – wenn wir die Inge-Deutschkron-Preisverleihung und das Kalenderblatt des Deutschlandfunks hinzurechnen, in dem auch von Vajswerks Recherche berichtet wird.

In der Arbeit mit den verschiedenen Jugendgruppen fiel indes auf, dass es zum einen kein Laserstein-Theaterstück FÜR Jugendliche gibt und dass zum anderen mit Lotte und Käte sehr wohl dem Antisemitismus begegnet werden kann – im 20. und 21. Jahrhundert. So entsteht DEIN PLATZ IN DER WELT. LOTTE UND KÄTE LASERSTEIN 1933 UND 1955 in 2026.

1933 ist es vorbei. Mit dem Platz in der Welt, in Deutschland. Mit den ersten Erfolgen als Malerin, dem Referendariat an einer staatlichen Schule. Lotte und Käte Laserstein sind für die Nazis „Dreivierteljuden“. – Durch eine Ausstellung kann Lotte nach Schweden ausreisen, Käte taucht in Berlin unter, fast drei Jahre in einer Laubenkolonie. Die Mutter wird im KZ Ravensbrück ermordet.

1955 zieht Käte wieder in die Alte Wohnung in Steglitz, Lotte kauft sich auf Öland ein Sommerhäuschen – so richtig schwedisch. Beide auf der Suche nach einem Platz in der Welt. Das ist doch heute, oder?

Aus biografischer Forschung und szenischem Spiel geraten wir geradewegs in unsere Lebenswirklichkeiten 2026.

Wir spielen satte sieben Mal, sowohl vormittags als auch abends: es wird also etwas für Jugendliche und Erwachsene. Und parallel erscheint ein mehrteiliger Podcast.

Die Uraufführung ist am 26. November 2026 im Haus der Jugend Zehlendorf; sobald alle Vorstellungstermine feststehen, werden sie hier bekannt gemacht. Bis dahin!

Es spielen und recherchieren: Laura Mitzkus und Charlotta Bjelfvenstam. Dramaturgie und/oder Regie: Anna Carola Krausse und Christian Tietz. Podcast: Felicitas Braun. 

DEIN PLATZ IN DER WELT wird gefördert von der Heinz und Heide Dürr Stiftung sowie aus Sondermitteln der Bezirksverordnetenversammlung Steglitz-Zehlendorf und dem KiA-Programm/Kultur für ein junges Publikum.

RECHERCHE-TERMIN-REIHE

Vajswerk im Hennwack  – Antiquariat, Buchhandlung und Café – Feuerbachstr.26 12163 Berlin

Einmal im Monat 19 Uhr   Eintritt frei   Programm bis Dezember 2026 – als PDF

Es ist ja nicht so, dass nur Vajswerk recherchiert. Im Gegenteil, viele tun dies, oft für sich oder beruflich, oft über viele Jahre. Einigen von ihnen sind wir schon begegnet, manchmal sind daraus Projekte für Vajswerk entstanden. Es könnten auch mehr werden. Zum Beispiel durch die Menschen und ihre Recherchen, denen wir ab Mai 2026 eine Bühne, einen Raum geben, im Hennwack, fast immer an einem Donnerstag im Monat.

Do. 07.05. 19:00 – Marcus Heusel

Ein Jugendgerichtshelfer recherchiert nach Zusammenhängen und Auswegen

In einem kleinen Film berichtete Marcus Heusel erstmals öffentlich von seiner Arbeit; mit Vajswerk entwickelte er die Projektidee von Was denn schiefe Bahn?! Wieviel Recherche macht den Alltag eines Jugendgerichtshelfers im Bezirk Steglitz-Zehlendorf aus?

Fr. 26.06. 19:00 – Ingrid Damerow

Eine Osteuropa-Historikerin recherchiert vor ihrer Reise, in post-sowjetische Länder, seit 1991

1991 kam Ingrid Damerow zum ersten Mal nach Belarus; seitdem ist sie viele Male dorthin gereist; auch ins Baltikum, in die Ukraine, für Blodveger auch nach Russland. Wie verändern sich die Begegnungen von Menschen aus Ost und West vor dem politischen Hintergrund?

Do. 16.07. 19:00 – Marina Veselinović

A Great-Granddaughter’s Research about a Teacher from Kumane Executed at KZ Bejsfjord

Im serbisch-norwegisch-deutschen Projekt Code Viking porträtierte Marina Veselinović in einem Dokumentar-Video den Bruder ihres Urgroßvaters, der in einem deutschen KZ bei Narvik erschossen wurde. Fünf Jahre später erzählt sie von neuen Recherchen – in English.

Do. 20.08. 19:00 – Hanna Sjöberg

Eine Textilkünstlerin recherchiert die Flucht und Heimkehr eines serbischen Zwangsarbeiters

Wieviel Kunst steckt in der Recherche von Hanna Sjöberg, wie lässt sich der Fluchtweg von Peter Filipović nachzeichnen: unter der Mitternachtssonne drei Wochen zu Fuß auf dem Fjell, im Boot eines Samen ins neutrale Schweden, dann ins mittlerweile sozialistische Jugoslawien?

Do. 17.09. 19:00 – Anna-Carola Krausse

Eine Kuratorin und Editorin recherchiert nach Lotte Laserstein / Teil 1: vor Stockholm

Mit ihrer Werkschau im Ephraim-Palais 2003/2004 leitete Anna-Carola Krausse die (Wieder-) Entdeckung der Malerin Lotte Laserstein ein. Exemplarisch kann gezeigt werden, wie sich über viele Jahre eine Biografie nach und nach erschließt, ein Menschenpanorama entsteht.

Do. 08.10. 19:00 – Susanne Heim

Eine Historikerin recherchiert zur Arbeit der Frauen in der Flüchtlingshilfe 1933-1945

Anfang des Jahres 2026 erschien bei C.H.Beck Susanne Heims Die Abschottung der Welt. Als Juden vor verschlossenen Türen standen. Hieraus stellt sie die weithin unbekannten Frauen der Flüchtlingshilfe in den Mittelpunkt des Abends, als Beispiel für biografische Forschung.

Do. 05.11. 19:00 – Anna-Carola Krausse

Eine Kuratorin und Editorin recherchiert nach Lotte Laserstein / Teil 2: nach Stockholm

Zu weiteren Recherchen ihrer Laserstein-Briefedition reist Anna-Carola Krausse im Herbst 2026 nach Stockholm. Gleich im Anschluss teilt sie ihre Ergebnisse, die gleich im Anschluss vielleicht auch Eingang finden in Vajswerks Laserstein-Reihe / Teil 7.

Do. 03.12. 19:00 – Alejandra Ory und Alfred Kamala Olszok

Internationale Adoptivkinder in BRD&DDR recherchieren nach ihrer Herkunft

Zu Vajswerks Wintertreffen 2026 kamen Alejandra Ory und Alfred Kamala Olszok. Was sie von sich, von internationalen Adoptionen in BRD und DDR erzählten, war uns völlig unbekannt. Jetzt beginnen die beiden von Anfang an, vielleicht mit einer Fortsetzung im Januar 2027.

Willkommen im Gespräch!

NOCH SO JUNG, IM SOMMER 1962, ALS EINER GEHT, EINE BLEIBT, EINER SCHIESST.

Im Sommer 1962 waren sie 18, 19 und 21 Jahre alt. Als er weg wollte, von einem Deutschland ins andere. Als sie bleiben wollte; in der DDR war doch ihr Zuhause. Als ein Grenzsoldat dem Schießbefehl gehorchte und eine Flucht-, eine Lebens-, eine Liebesgeschichte beendete.

Diese Geschichte – die aus vielen Geschichten besteht – hat sich wirklich zugetragen. Sie spielt in einer kleinen Stadt bei Magdeburg, in Berlin vor und nach dem Mauerbau, im Harz, wo die Grenzanlagen doch noch nicht fest ausgebaut waren, es auf den einzelnen Menschen ankam. Und in Stuttgart, wo 1963 dem Todesschützen der Prozess gemacht wurde – ihm war nämlich die Flucht in den Westen geglückt. Noch so eine Geschichte.

Die Geschichte findet sich in den Erzählungen von Menschen, die Peter Reisch und Bettina Bönicke gekannt haben und in Archiven, in den Aussagen vor Gericht. Fritz H. will heute nicht darüber sprechen: „Die Sache ist erledigt.“ Ist sie das?

2020 hat das Recherchetheater Vajswerk die Geschichte erforscht und dargestellt – in den drei unterschiedlichen Perspektiven: Großes Kino DDR wird seit fünf Jahren immer wieder gespielt, deutschlandweit.

In 2026 werden nun Jugendliche ihre eigene Version der Geschichte erzählen. Sie machen sich auf Spurensuche, fahren nach Egeln, wo die Geschichte begann und nach Schierke, wo sie endete. Dabei kommen sie mit Zeitzeugen ins Gespräch und setzen mit Zeitzeugnissen ihr eigenes Stück zusammen – in ihrer ureigenen Form. Und zwar wie? Bitte schön: Dies ist eine Einladung zum Mitmachen!  Es werden noch Schulen oder Jugendeinrichtungen als Kooperationspartner gesucht; die Projektbeschreibung gibt es hier. Das Eröffnungstreffen ist öffentlich: am 5.5. um 18:30 in der Jfe Flemmingstraße – willkommen!

Wir werden erzählen, wie die Geschichte weitergeht!

  

Das Projekt wird gefördert vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien im Bundesprogramm „Jugend erinnert“, der Förderlinie SED-Unrecht, und der Bundesstiftung Aufarbeitung.

Foto: Das Gespräch mit Jugendlichen nach einer Aufführung von „Großes Kino DDR“ im Sommer 2025.

KÄTE LASERSTEIN 125

Käte Laserstein begleitet uns – auf gewisse Weise – seit 2019: seit unserem ersten Rechercheprojekt an ihrer ehemaligen Schule. Vajswerks Projektreihe galt ihr und ihrer Schwester, der Malerin Lotte Laserstein, sowie ihren Freundinnen Rose Ollendorff und Lucie Friedlaender, die mit ihr die NS-Verfolgung überlebten, als auch ihren Schüler:innen und Kolleg:innen an der Gertraudenschule im West-Berlin der 1950er Jahre.

2025 begehen wir Käte Lasersteins 125. Geburtstag. Am 27. Mai trafen wir uns am Morgen in der heutigen Halvorsen Schule und am Abend im heutigen Martin-Niemöller-Haus. Beim Gartennachbarn der ehemaligen Gertraudenschule hörten wir Käte Laserstein: in ihrer Schriftsprache und der Stimmen derjenigen, die dieses oder jenes Zitat auswählten und erzählten, warum. Die Liste der 25 Zitate gibt es hier.

Der Geburtstag begann aber schon früh in der Schulaula, wo wir zunächst dem Kalenderblatt lauschten, dem Beitrag des Deutschlandfunks über Käte Laserstein. Anschließend bestückten Schülerinnen der 9er-Kunstklasse eine Zeitkapsel, die in vier Jahren von der neuen 9er-Kunstklasse geöffnet wird.

Darüberhinaus hat eine Projektidee von Halvorsen und Vajswerk den Inge-Deutschkron-Preis erhalten. Mehrere Videoclips in der individuellen Auseinandersetzung mit der historischen Figur sind entstanden: „Käte Laserstein und ich.“ Das Projekt hat nach den Berliner Sommerferien begonnen und wurde von einem Parallelprojekt/einem Hörstück zum gegenwärtigen Antisemitismus begleitet. Die Projektergebnisse wurden am 20. November 2025 in der Aula der Halvorsen Schule gezeigt. Und am 20. April 2026 wurde das Hörstück in der Jfe Flemmingstraße urgesendet und ist bei Soundcloud zu hören.

27. Mai 2025: 09:05 im Deutschlandfunk das Kalenderblatt & 09:10 in der Aula der Gail S. Halvorsen Schule die Zeitkapsel & 19:00 im Martin-Niemöller-Haus die Geburtstagsfeier.

21. Juli 2025: Preisverleihung im Max-Liebermann-Haus: Inge-Deutschkron-Preis für „Käte Laserstein und ich“ – im September 2025 erfolgt der Projektstart.

20. November 2025: Präsentation zum Inge-Deutschkron-Preis um 18 Uhr in der Aula der Halvorsen Schule.

20. April 2026: Ursendung des Hörstücks „Auschwitz, ein Ort der nicht die Hand vor den Mund hält“ in der JFE Flemmingstraße.

 

 

Bild oben: „Denk an mich“, Käte Laserstein am 27.12.1962 an Lotte Laserstein

LASERSTEIN-REIHE

Vajswerks Laserstein-Reihe begann mit der Lotte Laserstein Ausstellung in der Berlinischen Galerie 2019, mit einem Kunstkurs der Halvorsen Schule, der ehemaligen Gertraudenschule, der Schule Käte Lasersteins. Die Schüler:innen gingen in die Ausstellung, malten an ihren Laserstein-Bildern, besuchten das Berliner Landesarchiv, hörten eine Laserstein-Schülerin über ihre Lehrerin berichten. Bei den Aufführungen von Die zwei Schwestern Laserstein befand sich an einem Ende der Aula die Schultafel, am anderen das Atelier mit Lasersteins Bildern.

In Lasersteins Orte 1&2 zogen zwei Schauspielerinnen mit vielen Briefen an die erste und letzte Adresse der Lasersteins in Berlin, vor die Stierstraße 19 und den Immenweg 7. Laserstein Ollendorff (Friedlaender) untersuchte in vier Projektformaten das Überleben dreier Frauen an geheimen Orten. Ein Kapitel West-Berliner Demokratiegeschichte wurde mit Käte Laserstein und ihren Schüler:innen in Gertraudens Kinder erzählt. – Den Abschluss der Reihe bildete zurück.bleiben mit dem Jahr 1954 als Ausgangspunkt, mit der Entscheidung, nach Deutschland zurückzukehren bzw. in Schweden, im Exil zu bleiben – uraufgeführt im Sommer 2024 im Garten und im Haus der Wannsee-Konferenz. – Mit dem Blick auf den Kalender fand die Reihe aber doch noch eine Fortsetzung: mit dem 125. Geburtstag von Käte Laserstein am 27. Mai 2025: mit tatsächlich vier Projekten, wovon eines den Inge-Deutschkron-Preis erhielt. – Und mit etwas Abstand fällt auf, dass ein professionelles Theaterstück FÜR Jugendliche fehlt. Das holen wir in 2026 nun nach: Dein Platz in der Welt. Lotte und Käte Laserstein 1933 und 1955 wird im am 26.11.26 in Berlin uraufgeführt.

Es entstanden u.a. Theaterstücke, Podcasts, ein Essay, eine Masterarbeit, eine Unterrichtsstunde zum Nachspielen und eine Lesemappe im Rahmen der Wanderausstellung ‚gefährdet leben‘, die 2023 im Deutschen Bundestag eröffnet wurde. – Hier eine Übersicht:

01: Schülerinnen und Schüler eines Kunstkurses der Gail S. Halvorsen Schule spielen Theaterszenen zum Abschluss ihres Projektunterrichts.

02: Zwei Schauspielerinnen stehen am Immenweg 7 und erkunden mittels Briefen einen der ‚Lasersteins Orte‘ – nachzuhören im Podcast.

03: Podcast-Folge 1 zu ‚Laserstein Ollendorff (Friedlaender)‘: Die Recherche

04: Folge 2: Die Biografien

05: Folge 3: Die Ergebnisse

06: Die Kurzbiografien von Käte Laserstein, Rose Ollendorff und Lucie Friedlaender

07: Der Podcast zu ‚Gertraudens Kinder‘: eine West-Berliner Schule im Nachkrieg

08: Die Radiosendung zu ‚Gertraudens Kinder‘

09: Der Essay zur West-Berliner Demokratiegeschichte anhand der Gertraudenschule

10: Die Masterarbeit zu den Briefen von Käte Laserstein an ihre Schwester

11: Die Lesemappe zu Käte Laserstein in der Ausstellung gefährdet leben

12: Die Geschichtstheaterstunde zum Nachspielen, zu Käte Laserstein

13: Das Interview in nd/Die Woche in der Vorbereitung auf ‚zurück.bleiben‘

14: Der Podcast von ‚zurück.bleiben‘ auf Soundcloud und Spotify

15: Ein Beitrag über Vajswerks Laserstein-Reihe erschien in der Herbstausgabe von Medaon – Magazin für jüdisches Leben in Forschung und Bildung

16: Am 18. November 2024 wurden auf Initiative der Markus-Gemeinde neben dem Stolperstein in Gedenken an Meta Laserstein zwei weitere verlegt: zu Käte Laserstein und Rose Ollendorff.

17: Am 27. Mai 2025 – ja – feierten wir Käte Laserstein 125; weitere Projekte schlossen sich an, im Herbst 2025. Nachzuhören wäre das Kalenderblatt des Deutschlandfunks.

18: Am 26. November 2026 wird Dein Platz in der Welt. Lotte und Käte Laserstein 1933 und 1955 uraufgeführt.

ZURÜCK.BLEIBEN

Käte geht zurück, Lotte bleibt. Das ist unser Stück. Es ist das Jahr 1954; wir sind in Stockholm. 1946 hatte Käte Laserstein Berlin und Deutschland verlassen und war zu ihrer Schwester nach Schweden gegangen – gezogen, geflohen? Lotte Laserstein hatte ihrerseits 1937 eine Ausstellung nutzen und ihr Werk und ihr Leben retten können. Käte überlebte mit zwei Freundinnen zuletzt in einer Laubenkolonie in Schmargendorf. Die Mutter – Meta Laserstein – wurde 1943 im KZ Ravensbrück ermordet. Das nahm Käte Laserstein mit nach Schweden; acht Jahre später ging sie zurück nach Deutschland und wurde wieder Lehrerin an einer Berliner Schule. Warum? Lotte blieb. Warum? Davon erzählt zurück.bleiben: Lotte und Käte Laserstein zwischen Verfolgung, Exil und Selbstbestimmung, Schweden und Deutschland.

zurück.bleiben ist der Abschluss von Vajswerks Laserstein-Reihe. Sie begann 2019 mit Die zwei Schwestern Laserstein, wurde 2021 mit Lasersteins Orte und 2022 mit Laserstein Ollendorff (Friedlaender) fortgesetzt. 2023 weiterte sich der Blick auf Gertraudens Kinder, während parallel für die Wanderausstellung – gefährdet leben wurde am 29.11.23 im Bundestag eröffnet – eine Lesemappe zu Käte Laserstein entstand.

zurück.bleiben recherchieren und spielen Laura Mitzkus und Charlotta Bjelfvenstam; für Dramaturgie und/oder Regie stehen Anna Carola Krausse und Christian Tietz. Assistenz: Clara Escalera.

zurück.bleiben wurde am 14. Juli 2024 im Garten und im Haus der Wannsee-Konfernz uraufgeführt. – Im Oktober 2024 boten wir drei Zusatzvorstellungen an,  wieder in der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz;  den Flyer gibt es hier und der  Podcast  ist auf Soudcloud und Spotify zu hören.

Zuvor waren wir in Stockholm und  präsentieren unser Projekt på svenska: onsdag, 6/3 kl. 19 på Hjorthagens Kulturhus. Die Berliner Auftaktveranstaltung war am 18.04., 18 Uhr im Haus der Wannsee-Konferenz.

Fotos © Lena Obst

 

 

 

DER WEG ZUM GÜTERBAHNHOF MOABIT

Es geschah am hellichten Tag; vor aller Augen. Mitten in der Stadt. Quer durch Moabit gingen Gruppen von Menschen, von bewaffneten Menschen bewacht. Andere Menschen schauten zu, oder weg. Sie wussten, wer da ging; die Abgeführten trugen einen Judenstern, wohnten auch nebenan. Sie wussten, wohin sie gingen, zum Güterbahnhof Moabit, zu den Gleisen südlich des Westhafens und der Ringbahn, an der Putlitzbrücke. Wohin fuhren die Personenzüge, Güterzüge, Viehwaggons? „In den Osten.“ In den Tod.

Die Zahl ist groß und abstrakt, rund 30.000 Jüdinnen und Juden wurden 1942-44 von dort aus Berlin vertrieben; der Güterbahnhof Moabit wurde zum größten Deportationsbahnhof der Reichshauptstadt.

Wir gehen diesen Weg nach, von der ehemaligen Synagoge Levetzowstraße zum ehemaligen Güterbahnhof Moabit, dem dortigen Gedenkort. Am Anfang und am Ende gibt es biografische Stationen, an denen wir Menschen* begegnen. Dies gestalten wir selbst – in einem Geschichtsprojekt mit Jugendlichen des Felix Mendelssohn-Bartholdy Gymnasiums.

* Die Schüler:innen beschäftigten sich mit 33 Lebensgeschichten: mit Heinz Behrendt/Chaim Baram – Walter Besser – Familie Brann – Edith Dietz – Ellen Epstein – Hertha Feiner – Familie Fichtmann – Hildegard Henschel – Rolf J. – Jacob Jacobsen – Joel König/Ezra Ben Gershom – Gertrud Kolmar – Familie Kuhn – Familie Lichtwitz – Liane Lea und Willy Löw – Martha Mosse – Camillla Neumann – Henni Noack – Herman O. und Herta Pineas – Hans R. – Alfred Rosenthal – Gert Rosenthal – Berthold Rudner – Marion Samuel – Harry Schnapp – Jizak Schwersenz – Bertha Steinhardt  und ihrer Schwester Hilde Miron – Ulse Ury und Margot Wolf – sowie dem Gestapobeamten  und Mitglied einer Einsatzgruppe Max Kölz.

Die Projektpräsentation fand statt am Freitag, 19. April 2024; um 16 Uhr  trafen wir uns an der Ecke Levetzowstraße/Jagowstraße und gingen dann bis zum Gedenkort Güterbahnhof Moabit, begleitet mit den Nachrichten von 33 Schüler:innen an ihre historische Figur.

Unser Projekt war auch Teil des Jugendforums denk!mal25, dessen Ausstellung am 28. Januar 2025 eröffnet wurde und bis zum 20. Februar 2025 im Berliner Abgeordnetenhaus zu sehen war.

Bilder von der Ausstellungseröffnung und vom Gedenkort:

Blick von der Putlitzbrücke: links der S-Bahnhof Westhafen, entfernt an den rechten Gleisen der Gedenkort Güterbahnhof Moabit, Februar 2025.

WAS DENN SCHIEFE BAHN

Was denn, was denn, was gibt’s denn, was ist denn? Schief? Eine Bahn? Der gerade Weg des Lebens? Gibt es den, wollen wir den? Und wenn, wenn wir den verlassen, kommen wir nicht wieder auf ihn zurück? Und die schiefe Bahn führt uns geradewegs in den Abgrund? – Sind das nur Sprüche, Worte von Vorgestern? Aber es gibt sie ja, diese Straftaten, also die sichtbare Kriminalität, von Jugendlichen. Die findet sich wieder in Gangsterraps, Instaposts, Politikertweets, Zeitungsschlagzeilen, in Urteilen des Jugendgerichts. Das Jugendstrafrecht trat übrigens vor hundert und einem Jahr in Kraft, 1923.

Wir machen uns heute auf die Spur – nach den Jugendlichen, von denen wir erstmal nur die Gerichtsurteile kennen. Dann kommen die Geschichten. Allmählich entsteht ein Mensch. – Was wissen wir, wie nah können wir einem Anderen kommen; was sind unsere Vorurteile, was erzählen wir von uns selbst?

Was denn schiefe Bahn?! ist eine Jugend-Recherche-Theater-Musik-Kunst-Performance über Straffälligkeit – und den Menschen, die dahinter stecken. – Bislang  spielten Jugendliche der Gail S. Halvorsen Schule im Verbund mit einer Aktionskünstlerin, einer Schauspielerin, einem Schauspieler und einem Regisseur – von Vajswerk.

Unsere erste Vorstellung fand statt am 1. Februar 2024 im Haus der Jugend Zehlendorf. Die zweite Runde des Projekts erlebte am 30. Januar 2025 seine Uraufführung. Und die dritte Runde war am 29. Januar 2026 zu sehen, in der Jfe Flemmingstraße.  – Das Projekt wurde jeweils gefördert mit Mitteln des Bezirksamtes Steglitz-Zehlendorf / Jugendamt.

Fotos vom Februar 2024 und vom Januar 2025 sowie 2026  (die 2025er gibt es auch als PDF):

GERTRAUDENS KINDER

Gertraudens Kinder zeigt ein Berliner Mädchengymnasium im Nachkrieg, so der Untertitel. Es handelt sich dabei um die heutige Halvorsen-, die damalige Gertrauden-Schule und die ersten Jahre nach dem zweiten Weltkrieg, dem Nationalsozialismus. Das Projekt hat Käte Laserstein als Fixstern; sie war Lehrerin in Dahlem, sie versuchte – nach den Jahren der Verfolgung als Jüdin – wieder in ihren Beruf zurückzukehren. „Ich höre und lese immer wieder, dass die Opfer Hitlers an erster Stelle beschäftigt werden sollen. Ich bin es jedenfalls nicht“, schreibt sie im September 1945. „Man sucht Erzieher im neuen (d.h. alten und ewigen) Sinne, doch man findet sie nicht, wenn sie sich anbieten.“

Von Käte Laserstein – und Vajswerks Vorgängerprojekten, s.u. – gehen wir aus, auf sie nehmen wir immer wieder Bezug. Dabei geht es grundsätzlich um den zitierten Sinn – der Erziehung nach der NS-Zeit, zu einem demokratischen Deutschland. Wie gestaltete sich der Unterricht, wer waren die Schülerinnen und Schihüler, wer saß im Kollegium, wie war das Spannungsfeld zwischen Restauration und Neuanfang? Das untersuchen wir am konkreten Beispiel und machen daraus eine allgemeine Geschichte. So beginnen wir in der Schule, befragen ehemalige Schüler:innen, lesen Konferenzprotokolle und Schülerzeitungen, entwickeln mit heutigen Schüler:innen eine Unterrichtsstunde und ein Klassenzimmerstück … und gehen dann über Dahlem hinaus und präsentieren einem breiten Publikum unseren neuen Podcast, in dem das Projekt und die Geschichte nachzuhören sein wird, am 30. Nov. 2023 im Haus der Jugend Zehlendorf.

Das Hörstück ist nachzuhören auf Soundcloud und  Spotify, sowie in einer 2.Fassung in der Andere-Stimmen-hören-Weihnachtssendung auf Radio Orange. Den Essay „Erziehung zur Demokratie? Die West-Berliner Gertraudenschule in den fünfziger Jahren“ gibt es hier, die Geschichtstheaterstunde hier, sowie den Flyer  hier.

Am 29. November wurde übrigens im Paul-Löbe-Haus des Deutschen Bundestages die Wanderausstellung  „gefährdet leben. Queere Menschen 1933-1945“ eröffnet. Von Vajswerk stammen die Texte und Dokumente in der Lesemappe zu Käte Laserstein – diese Lesemappe gibt es hier als PDF.

Mit Gertraudens Kinder. Ein Berliner Mädchengymnasium im Nachkrieg setzt Vajswerk seine Laserstein-Recherche fort. Nach Die zwei Schwestern Laserstein 2019, folgten 2021 Lasersteins Orte und Laserstein Ollendorff (Friedlaender) 2022.

Gertraudens Kinder wurde finanziert aus Mitteln der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa für die Förderung zeitgeschichtlicher und erinnerungskultureller Projekte.

 

 

 

Fotos von © Lena Obst von der Abschlussveranstaltung am 30.11.23 im Haus der Jugend Zehlendorf.