VON ANNE-MARIE UND KÄTE UND JÁNOS UND … HEUTE

Jetzt tun wir mal so als ob. Als ob ich mich mit Anne-Marie oder Käte oder János verabredet hätte – an einem bestimmten Ort – meiner Wahl. Und dort erzähle ich Anne-Marie oder Käte oder János, warum: warum hier; warum dieser Ort etwas mit ihr oder ihm oder mir zu tun hat.

Anne-Marie und Käte und János sind sogenannte historische Figuren. Sie leben nicht mehr (oder wenn doch, dann weit entfernt), verkörpern aber ein bestimmtes historisches Kapitel: hier die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland.

Für unser Ortstreffen brauchen wir Gesprächsstoff, dafür haben wir folgende Quellen: 1/ Das Tagebuch, das János im KZ Bergen-Belsen schreib, mit 11 Jahren: über seinen Lageralltag und seine Lebensträume. 2/ Die Briefe, die Anne-Marie Meier-Graefe Broch 1950 an den fernen Geliebten sandte: über den Verkauf der Familienvilla in Zehlendorf und den Neubeginn in Saint Cyr sur Mer. 3/ Die Worte, die von Käte Laserstein wie gedruckt an die Schwester nach Schweden gingen, sowie die Bilder, die eben jene Lotte Laserstein nachgerade weltberühmt machten.

Zu János/Jovan Rajs und Anne-Marie Meier-Graefe Broch und Käte/und Lotte Laserstein entwickelte Vajswerk bereits Projekte mit Jugendlichen, denen eine mehrmonatige Recherche vorausging. Für VON ANNE-MARIE UND KÄTE UND JÁNOS UND … HEUTE liegen diese Ergebnisse vor, ausgerichtet auf die besondere Aufgabe: die imaginäre Verabredung an einem konkreten Ort und die persönliche Ansprache dort.

Für VON ANNE-MARIE UND KÄTE UND JÁNOS UND … HEUTE arbeitet Vajswerk mit drei Schulen zusammen – mit drei Schulklassen, die weitgehend autonom arbeiten – nach einer gemeinsamen Auftaktveranstaltung im Haus der Jugend Zehlendorf und einem Gang über den Waldfriedhof Dahlem. Auf der Abschlussveranstaltung werden alle Gespräche/Begegnungen/Audios/Videos dem Publikum gezeigt. Sobald wir das Datum wissen, geben wir es bekannt!

Gefördert wird das Projekt vom Jugendamt des Bezirks Steglitz-Zehlendorf.

DEIN PLATZ IN DER WELT

LOTTE UND KÄTE LASERSTEIN 1933 und 1955.

Ein Recherchestück für Jugendliche und Erwachsene mit zwei Schauspielerinnen.

Eigentlich. Eigentlich sollte 2024 Vajswerks langjährige Laserstein-Reihe ihr Ende finden – mit der Uraufführung von zurück.bleiben im Haus der Wannsee-Konferenz. Eigentlich. Aber dann sollte 2025 doch Käte Lasersteins 125. Geburtstag begangen werden: mit satten sechs Projekten und Veranstaltungen – wenn wir die Inge-Deutschkron-Preisverleihung und das Kalenderblatt des Deutschlandfunks hinzurechnen, in dem auch von Vajswerks Recherche berichtet wird.

In der Arbeit mit den verschiedenen Jugendgruppen fiel indes auf, dass es zum einen kein Laserstein-Theaterstück FÜR Jugendliche gibt und dass zum anderen mit Lotte und Käte sehr wohl dem Antisemitismus begegnet werden kann – im 20. und 21. Jahrhundert. So entsteht DEIN PLATZ IN DER WELT. LOTTE UND KÄTE LASERSTEIN 1933 UND 1955 in 2026 – für Jugendliche und Erwachsene.

1933 ist es vorbei. Mit dem Platz in der Welt, in Deutschland. Mit den ersten Erfolgen als Malerin, dem Referendariat an einer staatlichen Schule. Lotte und Käte Laserstein sind für die Nazis „Dreivierteljuden“. – Durch eine Ausstellung kann Lotte nach Schweden ausreisen, Käte taucht in Berlin unter, fast drei Jahre in einer Laubenkolonie. Die Mutter wird im KZ Ravensbrück ermordet.

1955 zieht Käte wieder in die Alte Wohnung in Steglitz, Lotte kauft sich auf Öland ein Sommerhäuschen – so richtig schwedisch. Beide auf der Suche nach einem Platz in der Welt. Das ist doch heute, oder?

Aus biografischer Forschung und szenischem Spiel geraten wir geradewegs in unsere Lebenswirklichkeiten 2026.

Wir spielen satte sieben Mal, sowohl vormittags als auch abends: es wird also etwas für Jugendliche und Erwachsene. Und parallel erscheint ein mehrteiliger Podcast. – Den Flyer gibt es hier.

Die Uraufführung ist am 27. November 2026 im Haus der Jugend Zehlendorf; um 19:00 wird ebenfalls am Mi. 02. und Sa. 05. Dezember gespielt. Die Schulaufführungen beginnen um 09:00 und um 12:00 – am Mo. 30.11. und am Di. 01.12. – Der Eintritt ist frei, hier sind Reservierungen möglich.

Es spielen und recherchieren: Laura Mitzkus und Charlotta Bjelfvenstam. Dramaturgie und/oder Regie: Anna Carola Krausse und Christian Tietz. Podcast: Felicitas Braun. 

DEIN PLATZ IN DER WELT wird gefördert von der Heinz und Heide Dürr Stiftung sowie aus Sondermitteln der Bezirksverordnetenversammlung Steglitz-Zehlendorf und dem KiA-Programm/Kultur für ein junges Publikum.

RECHERCHE-TERMIN-REIHE

Vajswerk ab Oktober um 19:30 und im Nachbarschaftshaus Friedenau, in der Villa Fregestraße 53, 12161 Berlin

Einmal im Monat – Eintritt frei – Programm Mai bis Dezember 2026

Es ist ja nicht so, dass nur Vajswerk recherchiert. Im Gegenteil, viele tun dies, oft für sich oder beruflich, oft über viele Jahre. Einigen von ihnen sind wir schon begegnet, manchmal sind daraus Projekte für Vajswerk entstanden. Es könnten auch mehr werden. Zum Beispiel durch die Menschen und ihre Recherchen, denen wir ab Mai 2026 eine Bühne, einen Raum geben, an einem Donnerstag im Monat.

Do. 07.05. 19:00 – Marcus Heusel

Ein Jugendgerichtshelfer recherchiert nach Zusammenhängen und Auswegen

In einem kleinen Film berichtete Marcus Heusel erstmals öffentlich von seiner Arbeit; mit Vajswerk entwickelte er die Projektidee von Was denn schiefe Bahn?! Wieviel Recherche macht den Alltag eines Jugendgerichtshelfers im Bezirk Steglitz-Zehlendorf aus?

Fr. 26.06. 19:00 – Ingrid Damerow

Eine Osteuropa-Historikerin recherchiert vor ihrer Reise, in post-sowjetische Länder, seit 1991

1991 kam Ingrid Damerow zum ersten Mal nach Belarus; seitdem ist sie viele Male dorthin gereist; auch ins Baltikum, in die Ukraine, für Blodveger auch nach Russland. Wie verändern sich die Begegnungen von Menschen aus Ost und West vor dem politischen Hintergrund?

Do. 16.07. 19:00 – Marina Veselinović

A Great-Granddaughter’s Research about a Teacher from Kumane Executed at KZ Bejsfjord

Im serbisch-norwegisch-deutschen Projekt Code Viking porträtierte Marina Veselinović in einem Dokumentar-Video den Bruder ihres Urgroßvaters, der in einem deutschen KZ bei Narvik erschossen wurde. Fünf Jahre später erzählt sie von neuen Recherchen – in English.

Do. 20.08. 19:00 – Hanna Sjöberg

Eine Textilkünstlerin recherchiert die Flucht und Heimkehr eines serbischen Zwangsarbeiters

Wieviel Kunst steckt in der Recherche von Hanna Sjöberg, wie lässt sich der Fluchtweg von Peter Filipović nachzeichnen: unter der Mitternachtssonne drei Wochen zu Fuß auf dem Fjell, im Boot eines Samen ins neutrale Schweden, dann ins mittlerweile sozialistische Jugoslawien?

Do. 17.09. 19:00 – Anna-Carola Krausse

Eine Kuratorin und Editorin recherchiert nach Lotte Laserstein / Teil 1: vor Stockholm

Mit ihrer Werkschau im Ephraim-Palais 2003/2004 leitete Anna-Carola Krausse die (Wieder-) Entdeckung der Malerin Lotte Laserstein ein. Exemplarisch kann gezeigt werden, wie sich über viele Jahre eine Biografie nach und nach erschließt, ein Menschenpanorama entsteht.

Do. 08.10. 19:30 – Susanne Heim

Eine Historikerin recherchiert zur Arbeit der Frauen in der Flüchtlingshilfe 1933-1945

Anfang des Jahres 2026 erschien bei C.H.Beck Susanne Heims Die Abschottung der Welt. Als Juden vor verschlossenen Türen standen. Hieraus stellt sie die weithin unbekannten Frauen der Flüchtlingshilfe in den Mittelpunkt des Abends, als Beispiel für biografische Forschung.

Do. 05.11. 19:30 – Anna-Carola Krausse

Eine Kuratorin und Editorin recherchiert nach Lotte Laserstein / Teil 2: nach Stockholm

Im zweiten Teil ihres Gesprächs berichtet Anna-Carola Krausse von Lotte Lasersteins Briefwechsel, den sie gerade ediert. Stück für Stück entsteht ein Kosmos Laserstein, wie er auch in Vajswerks Laserstein-Reihe zu begutachten ist.

Do. 03.12. 19:30 – Alejandra Ory und Alfred Kamala Olszok

Internationale Adoptivkinder in BRD&DDR recherchieren nach ihrer Herkunft

Zu Vajswerks Wintertreffen 2026 kamen Alejandra Ory und Alfred Kamala Olszok. Was sie von sich, von internationalen Adoptionen in BRD und DDR erzählten, war uns völlig unbekannt. Jetzt beginnen die beiden von Anfang an, vielleicht mit einer Fortsetzung im Januar 2027.

Willkommen im Gespräch!

KÄTE LASERSTEIN 125

Käte Laserstein begleitet uns – auf gewisse Weise – seit 2019: seit unserem ersten Rechercheprojekt an ihrer ehemaligen Schule. Vajswerks Projektreihe galt ihr und ihrer Schwester, der Malerin Lotte Laserstein, sowie ihren Freundinnen Rose Ollendorff und Lucie Friedlaender, die mit ihr die NS-Verfolgung überlebten, als auch ihren Schüler:innen und Kolleg:innen an der Gertraudenschule im West-Berlin der 1950er Jahre.

2025 begehen wir Käte Lasersteins 125. Geburtstag. Am 27. Mai trafen wir uns am Morgen in der heutigen Halvorsen Schule und am Abend im heutigen Martin-Niemöller-Haus. Beim Gartennachbarn der ehemaligen Gertraudenschule hörten wir Käte Laserstein: in ihrer Schriftsprache und der Stimmen derjenigen, die dieses oder jenes Zitat auswählten und erzählten, warum. Die Liste der 25 Zitate gibt es hier.

Der Geburtstag begann aber schon früh in der Schulaula, wo wir zunächst dem Kalenderblatt lauschten, dem Beitrag des Deutschlandfunks über Käte Laserstein. Anschließend bestückten Schülerinnen der 9er-Kunstklasse eine Zeitkapsel, die in vier Jahren von der neuen 9er-Kunstklasse geöffnet wird.

Darüberhinaus hat eine Projektidee von Halvorsen und Vajswerk den Inge-Deutschkron-Preis erhalten. Mehrere Videoclips in der individuellen Auseinandersetzung mit der historischen Figur sind entstanden: „Käte Laserstein und ich.“ Das Projekt hat nach den Berliner Sommerferien begonnen und wurde von einem Parallelprojekt/einem Hörstück zum gegenwärtigen Antisemitismus begleitet. Die Projektergebnisse wurden am 20. November 2025 in der Aula der Halvorsen Schule gezeigt. Und am 20. April 2026 wurde das Hörstück in der Jfe Flemmingstraße urgesendet und ist bei Soundcloud zu hören.

27. Mai 2025: 09:05 im Deutschlandfunk das Kalenderblatt & 09:10 in der Aula der Gail S. Halvorsen Schule die Zeitkapsel & 19:00 im Martin-Niemöller-Haus die Geburtstagsfeier.

21. Juli 2025: Preisverleihung im Max-Liebermann-Haus: Inge-Deutschkron-Preis für „Käte Laserstein und ich“ – im September 2025 erfolgt der Projektstart.

20. November 2025: Präsentation zum Inge-Deutschkron-Preis um 18 Uhr in der Aula der Halvorsen Schule.

20. April 2026: Ursendung des Hörstücks „Auschwitz, ein Ort der nicht die Hand vor den Mund hält“ in der JFE Flemmingstraße.

 

 

Bild oben: „Denk an mich“, Käte Laserstein am 27.12.1962 an Lotte Laserstein

LASERSTEIN-REIHE

Vajswerks Laserstein-Reihe begann mit der Lotte Laserstein Ausstellung in der Berlinischen Galerie 2019, mit einem Kunstkurs der Halvorsen Schule, der ehemaligen Gertraudenschule, der Schule Käte Lasersteins. Die Schüler:innen gingen in die Ausstellung, malten an ihren Laserstein-Bildern, besuchten das Berliner Landesarchiv, hörten eine Laserstein-Schülerin über ihre Lehrerin berichten. Bei den Aufführungen von Die zwei Schwestern Laserstein befand sich an einem Ende der Aula die Schultafel, am anderen das Atelier mit Lasersteins Bildern.

In Lasersteins Orte 1&2 zogen zwei Schauspielerinnen mit vielen Briefen an die erste und letzte Adresse der Lasersteins in Berlin, vor die Stierstraße 19 und den Immenweg 7. Laserstein Ollendorff (Friedlaender) untersuchte in vier Projektformaten das Überleben dreier Frauen an geheimen Orten. Ein Kapitel West-Berliner Demokratiegeschichte wurde mit Käte Laserstein und ihren Schüler:innen in Gertraudens Kinder erzählt. – Den Abschluss der Reihe bildete zurück.bleiben mit dem Jahr 1954 als Ausgangspunkt, mit der Entscheidung, nach Deutschland zurückzukehren bzw. in Schweden, im Exil zu bleiben – uraufgeführt im Sommer 2024 im Garten und im Haus der Wannsee-Konferenz. – Mit dem Blick auf den Kalender fand die Reihe aber doch noch eine Fortsetzung: mit dem 125. Geburtstag von Käte Laserstein am 27. Mai 2025: mit tatsächlich vier Projekten, wovon eines den Inge-Deutschkron-Preis erhielt. – Und mit etwas Abstand fällt auf, dass ein professionelles Theaterstück FÜR Jugendliche fehlt. Das holen wir in 2026 nun nach: Dein Platz in der Welt. Lotte und Käte Laserstein 1933 und 1955 wird im am 27.11.26 in Berlin uraufgeführt.

Es entstanden u.a. Theaterstücke, Podcasts, ein Essay, eine Masterarbeit, eine Unterrichtsstunde zum Nachspielen und eine Lesemappe im Rahmen der Wanderausstellung ‚gefährdet leben‘, die 2023 im Deutschen Bundestag eröffnet wurde. – Hier eine Übersicht:

01: Schülerinnen und Schüler eines Kunstkurses der Gail S. Halvorsen Schule spielen Theaterszenen zum Abschluss ihres Projektunterrichts.

02: Zwei Schauspielerinnen stehen am Immenweg 7 und erkunden mittels Briefen einen der ‚Lasersteins Orte‘ – nachzuhören im Podcast.

03: Podcast-Folge 1 zu ‚Laserstein Ollendorff (Friedlaender)‘: Die Recherche

04: Folge 2: Die Biografien

05: Folge 3: Die Ergebnisse

06: Die Kurzbiografien von Käte Laserstein, Rose Ollendorff und Lucie Friedlaender

07: Der Podcast zu ‚Gertraudens Kinder‘: eine West-Berliner Schule im Nachkrieg

08: Die Radiosendung zu ‚Gertraudens Kinder‘

09: Der Essay zur West-Berliner Demokratiegeschichte anhand der Gertraudenschule

10: Die Masterarbeit zu den Briefen von Käte Laserstein an ihre Schwester

11: Die Lesemappe zu Käte Laserstein in der Ausstellung gefährdet leben

12: Die Geschichtstheaterstunde zum Nachspielen, zu Käte Laserstein

13: Das Interview in nd/Die Woche in der Vorbereitung auf ‚zurück.bleiben‘

14: Der Podcast von ‚zurück.bleiben‘ auf Soundcloud und Spotify

15: Ein Beitrag über Vajswerks Laserstein-Reihe erschien in der Herbstausgabe von Medaon – Magazin für jüdisches Leben in Forschung und Bildung

16: Am 18. November 2024 wurden auf Initiative der Markus-Gemeinde neben dem Stolperstein in Gedenken an Meta Laserstein zwei weitere verlegt: zu Käte Laserstein und Rose Ollendorff.

17: Am 27. Mai 2025 – ja – feierten wir Käte Laserstein 125; weitere Projekte schlossen sich an, im Herbst 2025. Nachzuhören wäre das Kalenderblatt des Deutschlandfunks.

18: Am 27. November 2026 wird Dein Platz in der Welt. Lotte und Käte Laserstein 1933 und 1955 uraufgeführt.

ZURÜCK.BLEIBEN

Käte geht zurück, Lotte bleibt. Das ist unser Stück. Es ist das Jahr 1954; wir sind in Stockholm. 1946 hatte Käte Laserstein Berlin und Deutschland verlassen und war zu ihrer Schwester nach Schweden gegangen – gezogen, geflohen? Lotte Laserstein hatte ihrerseits 1937 eine Ausstellung nutzen und ihr Werk und ihr Leben retten können. Käte überlebte mit zwei Freundinnen zuletzt in einer Laubenkolonie in Schmargendorf. Die Mutter – Meta Laserstein – wurde 1943 im KZ Ravensbrück ermordet. Das nahm Käte Laserstein mit nach Schweden; acht Jahre später ging sie zurück nach Deutschland und wurde wieder Lehrerin an einer Berliner Schule. Warum? Lotte blieb. Warum? Davon erzählt zurück.bleiben: Lotte und Käte Laserstein zwischen Verfolgung, Exil und Selbstbestimmung, Schweden und Deutschland.

zurück.bleiben ist der Abschluss von Vajswerks Laserstein-Reihe. Sie begann 2019 mit Die zwei Schwestern Laserstein, wurde 2021 mit Lasersteins Orte und 2022 mit Laserstein Ollendorff (Friedlaender) fortgesetzt. 2023 weiterte sich der Blick auf Gertraudens Kinder, während parallel für die Wanderausstellung – gefährdet leben wurde am 29.11.23 im Bundestag eröffnet – eine Lesemappe zu Käte Laserstein entstand.

zurück.bleiben recherchieren und spielen Laura Mitzkus und Charlotta Bjelfvenstam; für Dramaturgie und/oder Regie stehen Anna Carola Krausse und Christian Tietz. Assistenz: Clara Escalera.

zurück.bleiben wurde am 14. Juli 2024 im Garten und im Haus der Wannsee-Konfernz uraufgeführt. – Im Oktober 2024 boten wir drei Zusatzvorstellungen an,  wieder in der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz;  den Flyer gibt es hier und der  Podcast  ist auf Soudcloud und Spotify zu hören.

Zuvor waren wir in Stockholm und  präsentieren unser Projekt på svenska: onsdag, 6/3 kl. 19 på Hjorthagens Kulturhus. Die Berliner Auftaktveranstaltung war am 18.04., 18 Uhr im Haus der Wannsee-Konferenz.

Fotos © Lena Obst

 

 

 

GERTRAUDENS KINDER

Gertraudens Kinder zeigt ein Berliner Mädchengymnasium im Nachkrieg, so der Untertitel. Es handelt sich dabei um die heutige Halvorsen-, die damalige Gertrauden-Schule und die ersten Jahre nach dem zweiten Weltkrieg, dem Nationalsozialismus. Das Projekt hat Käte Laserstein als Fixstern; sie war Lehrerin in Dahlem, sie versuchte – nach den Jahren der Verfolgung als Jüdin – wieder in ihren Beruf zurückzukehren. „Ich höre und lese immer wieder, dass die Opfer Hitlers an erster Stelle beschäftigt werden sollen. Ich bin es jedenfalls nicht“, schreibt sie im September 1945. „Man sucht Erzieher im neuen (d.h. alten und ewigen) Sinne, doch man findet sie nicht, wenn sie sich anbieten.“

Von Käte Laserstein – und Vajswerks Vorgängerprojekten, s.u. – gehen wir aus, auf sie nehmen wir immer wieder Bezug. Dabei geht es grundsätzlich um den zitierten Sinn – der Erziehung nach der NS-Zeit, zu einem demokratischen Deutschland. Wie gestaltete sich der Unterricht, wer waren die Schülerinnen und Schihüler, wer saß im Kollegium, wie war das Spannungsfeld zwischen Restauration und Neuanfang? Das untersuchen wir am konkreten Beispiel und machen daraus eine allgemeine Geschichte. So beginnen wir in der Schule, befragen ehemalige Schüler:innen, lesen Konferenzprotokolle und Schülerzeitungen, entwickeln mit heutigen Schüler:innen eine Unterrichtsstunde und ein Klassenzimmerstück … und gehen dann über Dahlem hinaus und präsentieren einem breiten Publikum unseren neuen Podcast, in dem das Projekt und die Geschichte nachzuhören sein wird, am 30. Nov. 2023 im Haus der Jugend Zehlendorf.

Das Hörstück ist nachzuhören auf Soundcloud und  Spotify, sowie in einer 2.Fassung in der Andere-Stimmen-hören-Weihnachtssendung auf Radio Orange. Den Essay „Erziehung zur Demokratie? Die West-Berliner Gertraudenschule in den fünfziger Jahren“ gibt es hier, die Geschichtstheaterstunde hier, sowie den Flyer  hier.

Am 29. November wurde übrigens im Paul-Löbe-Haus des Deutschen Bundestages die Wanderausstellung  „gefährdet leben. Queere Menschen 1933-1945“ eröffnet. Von Vajswerk stammen die Texte und Dokumente in der Lesemappe zu Käte Laserstein – diese Lesemappe gibt es hier als PDF.

Mit Gertraudens Kinder. Ein Berliner Mädchengymnasium im Nachkrieg setzt Vajswerk seine Laserstein-Recherche fort. Nach Die zwei Schwestern Laserstein 2019, folgten 2021 Lasersteins Orte und Laserstein Ollendorff (Friedlaender) 2022.

Gertraudens Kinder wurde finanziert aus Mitteln der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa für die Förderung zeitgeschichtlicher und erinnerungskultureller Projekte.

 

 

 

Fotos von © Lena Obst von der Abschlussveranstaltung am 30.11.23 im Haus der Jugend Zehlendorf.

#geschichte_schreiben

Wir stellen uns etwas vor, was es so nicht gibt: zum Tag der Europäischen Erinnerungskultur lädt der Verein für Völkerverständigung zu einem Symposion. Man erwartet sich Impulsreferate unter dem schlichten Titel „Ein Land und seine Verantwortung vor der Geschichte.“ Vier Universitätsdozent:innen werden in Berlin erwartet: vom Südeuropa-Institut, vom Südosteuropa-Institut, vom Nordeuropa-Institut und vom Institut für Germanistische Studien. Die vier Vortragenden beginnen staatstragend, mit der offiziellen Geschichtsschreibung, zum Mitschreiben. Dann melden sich Stimmen, die das jeweilige Geschichtsbild verrücken, es aus dem Rahmen treten lassen. Es gibt sie ja nicht, die Eine Erzählung, die Eine Position, Perspektive.

Das Recherchekollektiv Vajswerk zeichnet sich seit sieben Jahren durch Projekte aus, in denen Geschichte erforscht und dargestellt wird, multi-perspektivisch. Mit #geschichte_schreiben wird nun die Probe auf das Exempel gemacht: wie aus Geschichte Politik wird, wie manche Ereignisse für das historische Gedächtnis konstitutiv und manche verworfen, „vergessen“ werden. Im Zusammenspiel mit vier Historiker:innen verfolgen vier Schauspieler:innen geschichtspolitische Diskurse in Europa und laden Ende April 2023 zu einem fiktiven Symposion, zu einem richtigen Theaterabend: im historischen Saal der deutschen Kapitulation 1945, im heutigen Museum Berlin-Karlshorst.

Mit: Ines Miro, Laura Mitzkus, Christian Erdt, Charles Toulouse; Dr. Ursula Rütten, Hanna Sjöberg, Stefan Paul Jacobs, Dr. Lucas Hardt; Felicitas Braun, Renske de Vries, Christian Tietz. – Foto von Lena Obst ©

Uraufführung am 22. April 2023; weitere Aufführungen am 23./29./30. 04; 19 Uhr im Museum Berlin-Karlshorst.

Den Flyer gibt es hier und die Pressemappe hier; die Texte der Expert:innen können hier eingesehen werden. Begleitend entstand dieser 6-teilige Podcast, nachzuhören auf Soundcloud:

 

 

 

#geschichte_schreiben wird gefördert durch den Fonds Darstellende Künste im Rahmen von „Neustart Kultur“ sowie der LIRI-Stiftung.

 

Fotos von Lena Obst ©

 

 

 

 

 

HÄUTUNGEN FRANZ FÜHMANNS

Für die einen ist Franz Fühmann der größte Autor der DDR und anderen ist er schlichtweg unbekannt. Fühmann selbst beschrieb sich in seinem Testament (1984) als gescheitert: „In der Literatur und in der Hoffnung auf eine neue Gesellschaft, wie wir sie alle einmal erträumten.“

Diesen Lebensweg vermisst Vajswerk nun in einem Recherche-Theater-Projekt. Am Anfang steht ein junger Mann, der sich aus seinen Erfahrungen als Hitlerjunge und Wehrmachtssoldat bewusst für den Sozialismus entschieden hat – und sich dem Neuen Deutschland als Schriftsteller und Parteipolitiker in den Dienst stellt. Und der zunehmend in Konflikt gerät – mit seinem Staat, seinem Werk, seiner Wandlung – und sich fortan schreibend die Haut abzieht, den Ort der Seele suchend.

Dies zeigt Vajswerk anhand von zum Teil unbekannten Dokumenten im Spiel eines Schauspielers und einer Schauspielerin als Gegenspielerin – im historischen Berlin-Saal der Berliner Stadtbibliothek in Berlin-Mitte.

Parallel zu den Aufführungen entsteht Ende 2023 ein vierteiliger Podcast. Eine Stunde vor Vorstellungsbeginn wurden zudem Führungen durch Fühmanns Arbeitsbibliothek angeboten.

Es spielen und/oder recherchieren: Christian Erdt und Laura Mitzkus; Kristin Schulz, Isabel Fargo Cole, Silas Dörken und Christian Tietz (Inszenierung); Katja Lehmann (Podcast) Fotos: © Lena Obst

Uraufführung am 29.11. 1.12. 5.12. 6.12.23 – 19 Uhr

Berlin-Saal der Berliner Stadtbibliothek, Breite Str.36, 10178 Berlin

Am 8.12. fand ein öffentliches Nachgespräch statt, um 18 Uhr, ebenfalls in der Berliner Stadtbibliothek, im Erdgeschoss, Kleiner Säulensaal, Breite Str.36

Am 22.2.24 stellten wir unser Projekt im MGH Franz Fühmann in Märkisch Buchholz vor.

Vor 40 Jahren wurde Franz Fühmann auf dem Friedhof in Märkisch Buchholz begraben. Am Dienstag, 16.07.24 fand eine Veranstaltung mit Texten und Gästen im MGH Franz Fühmann statt: eine Beerdigung als Demonstration?

Im Sommer 2025 reisten wir zu Fühmanns Geburtsort, ins tschechische Rokytnice nad Jizerou. Von den Spuren vom Ende zum Anfang berichteten wir am Freitag, 05.12.25 in Märkisch Buchholz im MHG Franz Fühmann.

Im April 2026 luden wir gleich zweimal nach Märkisch Buchholz: am 12.4. trafen wir uns um 14 Uhr zu Überlegungen, wie Ideen und Veranstaltungen und Projekte zu Fühmann sich bündeln ließen. Und am 17.4. zeigten wir um 18 Uhr Pavel Schnabels Dokumentarfilm Der Böhmische Knoten. In Fühmanns Hüsl bzw. im MGH Franz Fühmann.

Vorläufiger Schlusspunkt der Einzelveranstaltungen war die Gründung eines Vereins: im Zeichen Franz Fühmanns. Am Sonntag, 12. Juli 2026 in Märkisch Buchholz, im MGH Franz Fühmann. – Die erste Veranstaltung des FFV findet statt am Samstag, 7. November 2026  um 15 Uhr, im MGH FF in MB. Willkommen!

Die erste Episode des Podcasts ist online! — Die Episode#2 gibt es auf Soundcloud hier und auf Podcaster hier — Die Episode#3 auf Soundcloud hier und auf Podcaster hier — Die Episode#4 auf Soundcloud hier und auf Podcaster hier — Und das Programmheft gibt es hier — Und den Flyer hier

Häutungen Franz Fühmanns wird gefördert mit Mitteln der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.

Die Fotos von © Lena Obst zeigen Laura Mitzkus und Christian Erdt

LASERSTEIN OLLENDORFF (FRIEDLAENDER)

Nach Ollys Tod wartet Käte nachts auf deren Erscheinung, ein Versuch ist es wert, wo der Schmerz doch so groß ist. Olly konnte sich wachend mit Lucie unterhalten, „unserer ‚Dritten‘, die sich das Leben nahm“, kurz nach der Befreiung im Sommer 1945.

Käte Laserstein, Rose Ollendorff (Olly) und Lucie Friedländer lebten drei Jahre als sogenannte U-Boote in Berlin. Sie waren als Jüdinnen verfolgt und konnten in wechselnden Wohnungen und einer Gartenlaube überleben.

LASERSTEIN OLLENDORFF (FRIEDLAENDER) macht sich zum einen auf die Spur dieser drei Frauen, recherchiert nach ihren Biographien. Zum anderen geht es um die Formen der Erinnerung: die der drei an die Bedrohung, die der beiden an Neubeginn und Suizid, die der einen an die Geliebte – sowie, für uns: die Form der Darstellung von Erinnerung.

LASERSTEIN OLLENDORFF (FRIEDLAENDER) ist eine Fortschreibung von „Lasersteins Orte 1&2“, als am authentischen Ort die Geschichte von Lotte und Käte Laserstein gezeigt wurde, der Malerin und der Germanistin. „Lasersteins Orte 3“ wäre die Laube in Schmargendorf, das Versteck von Käte Laserstein, Rose Ollendorff und Lucie Frielaender. An diesem Ort werden wir uns mit Publikum verabreden. Wie in der Aula von Käte Lasersteins ehemaliger Schule. Käte Laserstein und Rose Ollendorff wurden nach der NS-Zeit wieder Lehrerinnen und unterrichteten die Kinder ihrer Verfolger, zumeist.

Wie sieht so ein Leben aus; welche Gestalt verleihen wir heute den damals Lebenden? LASERSTEIN OLLENDORF (FRIEDLAENDER) – vormals: Käte und Olly (und Lucie) – untersucht dies und versucht Antworten in vier unterschiedlichen Formaten. Ende 2022. Mit Laura Mitzkus, Greta Galisch de Palma; Felicitas Braun, Christian Tietz. – Gefördert vom Fonds Darstellende Künste im Förderprogramm „#TakeHeart“. – Den Flyer gibt es hier.

Und seit 25.Dezember ist der Podcast online! Zu hören auf Soundcloud, auf Spotify oder via RSS-Feed. – Die im 2. Teil des Podcast erwähnten Kurz-Biografien gibt es hier.

19.11.22: Spaziergang

 

 

 

25.11.22: Geschichtsstunde

 

 

 

29.11.22: Theatervorstellung

 

 

 

25.12.22: Podcast