KÄTE LASERSTEIN 125

Käte Laserstein begleitet uns – auf gewisse Weise – seit 2019: seit unserem ersten Rechercheprojekt an ihrer ehemaligen Schule. Vajswerks Projektreihe galt ihr und ihrer Schwester, der Malerin Lotte Laserstein, sowie ihren Freundinnen Rose Ollendorff und Lucie Friedlaender, die mit ihr die NS-Verfolgung überlebten, als auch ihren Schüler:innen und Kolleg:innen an der Gertraudenschule im West-Berlin der 1950er Jahre.

2025 begehen wir Käte Lasersteins 125. Geburtstag. Am 27. Mai trafen wir uns am Morgen in der heutigen Halvorsen Schule und am Abend im heutigen Martin-Niemöller-Haus. Beim Gartennachbarn der ehemaligen Gertraudenschule hörten wir Käte Laserstein: in ihrer Schriftsprache und der Stimmen derjenigen, die dieses oder jenes Zitat auswählten und erzählten, warum. Die Liste der 25 Zitate gibt es hier.

Der Geburtstag begann aber schon früh in der Schulaula, wo wir zunächst dem Kalenderblatt lauschten, dem Beitrag des Deutschlandfunks über Käte Laserstein. Anschließend bestückten Schülerinnen der 9er-Kunstklasse eine Zeitkapsel, die in vier Jahren von der neuen 9er-Kunstklasse geöffnet wird.

Darüberhinaus hat eine Projektidee von Halvorsen und Vajswerk den Inge-Deutschkron-Preis erhalten. Mehrere Videoclips in der individuellen Auseinandersetzung mit der historischen Figur sind entstanden: „Käte Laserstein und ich.“ Das Projekt hat nach den Berliner Sommerferien begonnen und wird von einem Parallelprojekt zum gegenwärtigen Antisemitismus begleitet. Die Projektergebnisse wurden am 20. November in der Aula der Halvorsen Schule gezeigt.

27. Mai 2025: 09:05 im Deutschlandfunk das Kalenderblatt & 09:10 in der Aula der Gail S. Halvorsen Schule die Zeitkapsel & 19:00 im Martin-Niemöller-Haus die Geburtstagsfeier.

21. Juli 2025: Preisverleihung im Max-Liebermann-Haus: Inge-Deutschkron-Preis für „Käte Laserstein und ich“ – im September 2025 erfolgt der Projektstart.

20. November 2025: Präsentation zum Inge-Deutschkron-Preis um 18 Uhr in der Aula der Halvorsen Schule.

 

 

Bild oben: „Denk an mich“, Käte Laserstein am 27.12.1962 an Lotte Laserstein

DER FALL DEAN REED

Hammer + Sichel & Rock ’n’ Roll

Recherche-Projekt-Performance von Student:innen der HTW-Museologie

Sänger, Schauspieler, Drehbuchautor, Cowboy, Friedenskämpfer und Sozialist.

Dean Reed wurde am 22. September 1938 in Denver, Colorado USA geboren. Als Teenageridol in Lateinamerika wurde er auch der rote Elvis genannt. Die dortige soziale Ungerechtigkeit politisierte ihn stark und er wurde zunehmend pro-kommunistisch aktiv. Seine Vorstellung von Frieden und Gerechtigkeit bildete eine klare Konstante in seinem Leben, sodass Dean Reed’s künstlerische Karriere mit dem Verbreiten seiner politischen Vision meist nahtlos ineinander überging. Nach einer zweiten Karriere in der Sowjetunion zog der US-Amerikaner schließlich der Liebe wegen in die DDR.

Diese vielschichtige Persönlichkeit wurde in der Recherchearbeit, von Student:innen aus dem Studiengang Museologie, in verschiedene Elemente aufgespalten und nun in der Umsetzung mit theatralischen Mitteln dargestellt.

Die Gruppe stellt ihn und sein Leben in unterschiedlichen Räumen dar, wobei jeder Raum für einen Abschnitt oder Bereich in Dean Reed’s Leben steht.

Nacheinander wird der Mensch aus unterschiedlichsten Blickwinkeln thematisiert und beleuchtet. Von seiner künstlerischen Präsenz als Musiker, Schauspieler und Entertainer, über den von Dean Reed ausgeübten politischen Aktivismus, bis hin zu dem Menschen privat, sowie seinem Tod und Nachleben.

Durch die mehrperspektivische fachliche Begleitung von Lena Hoffmann und Christian Tietz, vom Recherchetheater Vajswerk, sowie Museologe Prof. Dr. Oliver Rump bewegten sich die Student:innen im Arbeitsprozess an der Schnittstelle von Theater- und Museumsarbeit.

Die Uraufführung fand am 11. März 2022 statt, online und in der HTW. Am Mittwoch, 27. April wurde das Projekt zudem im DDR Museum gezeigt, zur Eröffnung der Ausstellung „Ein Land und seine Helden“. Am 22.Juli wird „Der Fall Dean Reed“ auf der HTW-Werkschau präsentiert: um 12, 16 und 19 Uhr.

CODE VIKING 1942-2021

Aktueller Hinweis:  im Sommer 2024 machten wir uns auf den Weg von Berlin nach Narvik, zu den ehemaligen Lagern in Bjørnfjell und Beisfjord, im Kopf die Geschichte der jugoslawischen Zwangsarbeiter. Davon haben wir am 1. November berichtet, dabei auch einen filmischen Reisebericht gezeigt. Dieser ist  auf Youtube zu sehen.

In Kooperation mit dem Center for Public History in Belgrad und dem War and Peace MuseumNarviksenteret in Narvik sowie mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes und der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ (im Förderprogramm „Jugend erinnert“) veranstaltete Vajswerk das Rechercheprojekt Code Viking 1942-2021.

Beginnend – in der Pandemie – mit online-Treffen auf nationaler und internationaler Ebene, machten sich im Sommer 2021 Jugendliche aus Serbien, Deutschland und Norwegen selbst auf den Weg: nach der Geschichte der Zwangsarbeiter, die ab dem Sommer 1942 vom deutsch-besetzten Serbien ins deutsch-besetzte Norwegen deportiert wurden.

Die Reise nach Berlin wurde dabei von einem schweren Busunfall überschattet; aber schließlich gibt es Bilder aus Belgrad und Narvik, mit denen das Projekt bei einer hybriden Veranstaltung zu seinem Abschluss finden konnte.

Am 25. November wurden eine 22-minütige Projektdokumentation sowie einzelne Filme der Jugendlichen gezeigt: als Stream und an lokalen Orten in Berlin und Belgrad. Alle Filme sind nun zu sehen auf http://www.blodveger.info

Den Flyer für die Abschlussveranstaltung gibt es hier … und unten folgt noch die Ausschreibung von Anfang 2021, als Projektinfo.

 

GROSSES KINO DDR

Einen historischen Fall – und mutmaßlichen Filmstoff – nimmt das Recherchetheater Vajswerk zum Ausgangspunkt für seine neue Darstellung von DDR-Geschichte und dessen Rezeption. An der Schnittstelle von Wissenschaft und Kunst zeigte bereits TAMARA BUNKE. EINE HELDIN WIRD GEMACHT die Wechselwirkungen von Biographie und Instrumentalisierung. Die konkrete Geschichte einer tödlichen Republikflucht wird nun in GROSSES KINO DDR zur Auseinandersetzung mit dem zentralen Begriff von deutscher Teilung und Einheit: mit dem Begriff Freiheit und dessen politischer und gesellschaftlicher Deutung. „Er wollte nur die Freiheit“ heißt es auf dem Denkmal für den erschossenen Peter Fechter, das zehn Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer errichtet wurde.

Im Kalten Krieg erklärte Axel Cäsar Springer die an der innerdeutschen Grenze erschossenen Flüchtlinge für „Gefallene im deutschen Freiheitskrieg“. Gilt dies auch für Peter Reisch, der am 5. Juni 1962 an den Sperranlagen im Harz tödlich verwundet wurde? Dem Todesschützen – der zuerst geehrt wurde und dann seinerseits in den Westen floh – wurde ein Jahr später in Stuttgart der Prozess gemacht: Das Urteil gegen F. H. wurde zum ersten gegen die sogenannten Mauerschützen. Zu diesen beiden Männern gehört auch eine Frau; ein Brief an sie stecke in der Jackentasche des Republikflüchtlings. In der Heimat fest verwurzelt, geriet sie zwischen die Fronten und lebt heute in Thüringen.

Die Geschichte dieser drei ist ein Stoff, aus dem großes Kino gemacht wird, das dem DDR-Bild eines millionenfachen Publikums entspricht. Beispiele hierfür gib es zahlreiche in der Populärkultur, im gesellschaftspolitischen Mainstream: Freiheitswille versus Repression; DDR-Geschichte dient heute als Folie zur Legitimierung unserer freiheitlichen Gegenwart.

Vajswerk untersucht nun einerseits das Narrativ von Freiheit, Unterdrückung und Flucht in den 40 Jahren der Teilung und den 30 Jahren der Einheit und beschäftigt sich andererseits mit dem authentischen Fall – und den Folgen jener Schüsse aus dem Sommer 1962.

Hier finden Sie drei der zehn Puzzleteile der Inszenierung für das Heimkino:

Mit bzw. von: Laura Mitzkus, Charles Toulouse, Manolo Palma, Markus von Schwerin; Julia Jägle, Mirko Winkelmann, Stefan Paul-Jacobs, Anne Decker, Christian Tietz; Paul Fenski, Mareike Trillhaas.

Die Uraufführung war am 29. Oktober 2020 in der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde; am 12. November 2020 war das Stück als Stream zu sehen, zur Prime Time um 20:15. Im Sommer 2022 gab es eine Wiederaufnahme, eine regelrechte Tour: an drei Orten in Berlin sowie in Erfurt, Stuttgart und Egeln. Eine eigene Jugendfassung zeig(t)en wir  am 1.&2.Dezember 2022, am 6.&7. Juli 2023 sowie am 5.&6. Dezember 2024 und aktuell am 8.&11. Juli 2025 – im Haus der Jugend Zehlendorf; am 8.7. um 19:00 &  am 11.7. um 09:00 und 12:00. – Außerdem machten wir uns im April 2024 auf zu einer 2. Deutschlandtour, mit besagter Jugendfassung. 2.4. Halle/Roter Ochse  – 3.4. Egeln/Schule an der Wasserburg – 5.4. Helmstedt/Arbeiterwohlfahrt – 12.4. Berlin, Felix-Mendelsohn-Bartholdy-Gymnasium – 22.4. Rathenow/Kulturzentrum.


Projekt im Prozess: der Blog zu Großes Kino DDR

Großes Kino DDR – Wie alles begann

Nicht nur Schauspieler, sondern auch Rechercheur

Vom Interview zum dramatischen Text

I shot the refugee

Zwischen Telefon, Archiv und Zeitzeugen

Der Fall F.H., die „DDR“ und ihre Aufarbeitung

Schreiben ist Zuhören

Das Ende aller Liebeslieder

Und dann fragten sie sich selbst

„Wir machen gleich Einlass!“


Das Projekt wurde gefördert mit Mitteln der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, vom Fonds Darstellende Künste im Förderprogramm „#takeheart“ sowie vom Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf/KiA: Berliner Förderung der darstellenden Künste für ein junges Publikum.

Den Flyer zur Uraufführung finden Sie hier. Den Flyer zur Tour und Wiederaufnahme im Sommer 2022 finden Sie hier.

 

JUGEND’45

Recherche-Theater-Projekt mit Jugendlichen von Vajswerk | Haus der Jugend Zehlendorf | Archiv der Jugendkulturen.

In einer Villa in Zehlendorf, auf der Empore im Treppenhaus der Argentinischen Allee 28 haben sich junge Leute zusammengefunden. Suchen sie Schutz vor der Nacht, im Frühjahr 1945? Proben sie im Frühjahr 2020 ein Theaterstück? – Es sind Jugendliche von heute, die sich mit Jugendlichen von damals beschäftigen, mit ihren Erlebnissen, Erinnerungen, Texten – zum Kriegsende vor 75 Jahren.

Was kommt jetzt? Nach dem Staunen, dass man noch lebt. Wo hat wer überlebt? Ein Hitlerjunge im Luftschutzkeller? Eine Jüdin auf dem Todesmarsch? Ein Sinto im KZ? Eine Krankenschwester im Frontlazarett?

Für eine gewisse Zeit treffen sie sich an einem Ort – bis zur Auswanderung, bis zur Repatriierung, bis zum Lebensende – und planen eine Zukunft. Wie blicken wir in Deutschland 2020 auf die Zukunft von 1945?

Aus der Perspektive von Jugendlichen 1945/2020 entwickeln wir einen Theaterabend.

Jugend’45 begann im Januar, im Haus der Jugend Zehlendorf, mit drei geplanten Aufführungen im Foyer und auf der Empore des großen Treppenhauses. Und einem Gastspiel am 8. Mai in Karlshorst, genau dort, wo der zweite Weltkrieg in Europa offiziell zu Ende ging, mit der Unterzeichnung der bedingungslosen Kapitulation, am Tag genau vor 75 Jahren.

Aufgrund der Viren und der Kontaktsperren pausierte Jugend’45 zunächst und verlegte sich dann in den virtuellen Raum. Aus der Gruppe im Treppenhaus – dem Ensemble aus Einzelstimmen – wurde eine Gruppe im Internet: letztlich ein 40-Minuten-Film aus 22 einzelnen Einspielungen. – Die Uraufführung fand punktgenau am 8. Mai 2020 statt. Den Trailer zum Gesamtfilm gibt es unten! – Einen Live-Ausschnitt gab es zudem beim Jugendforum denk!mal des Berliner Abgeordnetenhauses zu sehen, am 27. Januar 2021 auf ALEX Berlin.

Das Projekt JUGEND’45 wurde gefördert durch „Wege ins Theater“, dem Projekt der ASSITEJ im Rahmen des Förderprogramms „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

Der Mai 1945 aus dem Mai 2020 im Mai 2025 neu gesehen
Von welchem Krieg reden wir?
Ein Film- und Gesprächsabend im Haus der Jugend Zehlendorf
zum 80. Jahrestag des Kriegsendes
am Mo. 12.5., 19:00, Argentinische Allee 28

Jugend’45 war unser Jugend-Recherche-Projekt in 2020. Am Ende des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren blickten wir auf die Jugendlichen damals: was haben sie erlebt, auf welcher Seite; wie geht es nun weiter für sie, nach dem millionenfachen Töten und Morden und dem eigenen Überleben? – Unter den Bedingungen der Pandemie entstanden einzelne Filme, die wir uns am 8. Mai 2020 gemeinsam ansahen – jede:r vor ihrem/seinem Bildschirm; eine Kurzfassung kam auf Youtube, siehe unten.

2025 jährt sich das Kriegsende zum 80. Mal und wir schauen auf beides zurück, auf 1945 und 2020: Wie hat sich unser Bild vom Weltkrieg, vom Krieg verändert? Kann die Vergangenheit tatsächlich Gegenwart werden; taucht der Krieg von damals in meinem Leben wieder auf; vielleicht schon durch Menschen, die aus laufenden Kriegen zu uns kamen?

Darüber wollen wir ins Gespräch kommen. Wir können uns zuerst die halbstündige Fassung der Filme vom Mai 2020 ansehen und direkt anschließen: Wäre unsere Erzählung vom Krieg heute eine andere?

Den Flyer zum Stück findet Ihr hier.

 

 

BLODVEGER

Vajswerk Recherche Theater Berlin
Blodveger
Дороги крови
Krvavi Putevi
Recherche-Theater-Projekt

Blodveger
Deutsch-norwegisch-schwedisch-russisch-serbisches Recherche-Theater-Projekt über sowjetische und jugoslawische Zwangsarbeiter im deutsch-besetzten Norwegen während des Zweiten Weltkriegs.
Historiker*innen aus Berlin, Narvik, Stockholm, Belgrad und Archangelsk recherchieren nach Lebensgeschichten von Zwangsarbeitern in Norwegen unter deutscher Besatzung. In BLODVEGER (Blutwege) lassen sie Zeitzeugnisse sprechen und stellen diese in den historischen Zusammenhang.
Deutschland hatte am 9. April 1940 aus strategischen und wirtschaftlichen Gründen Norwegen überfallen. Rund 130.000 Zwangsarbeiter – hauptsächlich aus der Sowjetunion und Jugoslawien – wurden dorthin verschleppt und vor allem für den Bau von Befestigungsanlagen, Straßen und Eisenbahnen eingesetzt. 16.500 von ihnen starben.
Die multi-perspektivische Inszenierung wird komplett in Berlin und Narvik gezeigt und auszugsweise mit den jeweiligen Länderschwerpunkten in Skinnskatteberg, Belgrad und Archangelsk präsentiert.
Bei der Berliner Abschlussveranstaltung wird www.blodveger.info freigeschaltet.

Blodveger
Et tysk-norsk-svensk-russisk-serbisk forskningsteaterprosjekt om sovjetiske og jugoslaviske tvangsarbeidere i det tyskokkuperte Norge under andre verdenskrig.
Historikere fra Berlin, Narvik, Stockholm, Arkhangelsk og Beograd har undersøkt tvangsarbeidernes liv i Norge under den tyske okkupasjonen. I BLODVEGER lar de tidsvitnene tale og setter deres beretninger inn i en historisk kontekst. Den 9. april 1940 ble Norge invadert av Nazi-Tyskland på grunn av strategiske og økonomiske interesser. Rundt 130 000 tvangsarbeidere, hovedsakelig fra Sovjetunionen og Jugoslavia, ble deportert til Norge. Under umenneskelige forhold arbeidet de for den tyske okkupasjonsmakten, de bygget veianlegg og jernbane samt forsvarsanlegg langs hele kysten. 16 500 av dem overlevde ikke. Den multiperspektivistiske oppsetningen blir vist i sin helhet i Berlin og Narvik, mens i Arkhangelsk, Beograd og Skinnskatteberg blir den presentert med fokus på det aktuelle landet.
Ved avslutningsarrangementet i Berlin blir nettsiden www.blodveger.info lansert.

Дороги крови
Немецко-норвежско-шведско-русско-сербский театрально-исследовательский проект
о советских и югославских принудительных работниках в Норвегии во время немецкой окупации.
Историки из Берлина, Нарвика, Стокгольма, Белграда и Архангельска исследуют биографии советских и югославских граждан, занятых на принудетельных работах в оккупированной нацистами Норвегии. В «Дорогах крови» историки используют свидетельства очевидцев, помещая их в рамки исторического контекста.
9 апреля 1940 года из стратегических и экономических соображений Германия напала на Норвегию и оккупировала ее. . Нацисты отправили в Норвегию на принудительные работы около 130 000 тысяч человек, преимущественно из Советского Союза и Югославии. Их труд использовался в первую очередь на строительстве укреплений, улиц и железнодорожных путей. 16 500 из них умерло.
Эта театральная постановка, отражающая взгляды на ситуацию с разных сторон, будет показана в Берлине и Нарвике полностью и выборочно – в Скиннскаттеберге, Белграде и Архангельске.
После заключительного представления в Берлине будет открыт доступ к сайту
www.blodveger.info

Krvavi Putevi
nemačko-norveško-švedsko-rusko-srpski projekat istraživačkog pozorišta o sovjetskim i jugoslovenskim prinudnim radnicima u Norveškoj, pod nemačkom opsadom za vreme Drugog svetskog rata.
Istoričari iz Berlina, Narvika, Stokholma, Beograda i Arhangelska istražuju lične priče prinudnih radnika u Norveškoj pod Nemačkom okupacijom. U Krvavim Putevima čuju se izjave svedoka tog vremena postavljene u istorijski kontekst.
Nemačka je 9. Aprila 1940, iz strateških i ekonomskih razloga, napala i zauzela Norvešku. Oko 130000 prinudnih radnika – najviše iz Sovjetskog Saveza i Jugoslavije – odvedeni su u Norvešku i iskorištavani pretežno za gradnju bunkera, puteva i pruge. 16500 ih je umrlo.
Multiperspektivna inscenacija će u celosti biti prikazana u Berlinu i Narviku, a u Skinskatebergu, Beogradu i Arhangelsku će se prezentovati projekat sa težištem na zemlji domaćinu.
Na završnoj manifestaciji u Berlinu će biti puštena u rad vebstranica: www.blodveger.info


Bloodways
Nazi Forced Labor in Northern Norway

A Norwegian-Russian-Serbian-Swedish-German research theater project by Vajswerk, the German-Russian Museum in Berlin and the Narviksenteret Norway.
Anyone who passes the Arctic Circle in Norway will take photographs or just look at the magnificent landscape of the Saltfjell. However few are aware that Nazi forced laborers laid the ground: Yugoslavian and Soviet forced laborers built the roads and the railways. They were the main victims of this gigantic and inhumane infrastructure program of the German occupiers. Of the 4,000 Yugoslav forced laborers, only 40% survived. The Yugoslav and Soviet forced laborers are subject to our biographical research theater project.

From a European perspective, we describe the Nazi forced labor in Northern Norway, the everyday life of forced laborers. Historians from Norway, Russia, Serbia and the country of escape Sweden and their respective German colleagues form a tandem of historiographical research. At an international conference and through the final presentations, representative individual fates are documented in a historical context. That will take place in Berlin, Narvik, Arkhangelsk, Belgrade and Skinnskatteberg. A website in German and Norwegian (with excerpts in Russian, Serbian and English) will be created at the same time: www.blodveger.info.

With Michael Stokke/Narvik and Sinje Kätsch/Berlin; Dr. Marina Panikar/Archangelsk and Ingrid Damerow/Berlin; Dr. Milan Koljanin/Beograd and Beate Niemann, Jovan Arsenić/Berlin; Hanna Sjöberg/Berlin; Head of the project: Gaby Oelrichs. Theater director: Christian Tietz
The project is funded by the Foundation EVZ „Remembrance, Responsibility and Future“.

Am 17. Oktober 2018 fand im Deutsch-Russischen Museum das internationale Colloquium zu BLODVEGER statt. Die Uraufführung von BLODVEGER war dann am 10. März 2019 in Berlin-Karlshorst zu sehen. In Narvik wurde anschließend das Stück komplett gezeigt (19.3.); Projektpräsentationen folgten in Skinnskatteberg (26.3.), Belgrad (6.4.) und Archangelsk (9.4.) – Ein Nachfolgeprojekt startet im Frühjahr 2021 parallel in Belgrad, Narvik und Berlin: Code Viking 1942-2021

Den Flyer der Veranstaltung finden Sie hier.

IDA FINK: DER TISCH

War der Tisch nun groß oder klein? Stand er schon da oder wurde er auf den Platz getragen? Gab es ihn überhaupt? Ist es wichtig? Ist so etwas wichtig, wenn vier Überlebende von einer Selektion und Massenerschießung berichten? „Der Schnee auf den Straßen der Stadt war rot. Rot! Genügt das?“

Ida Fink nennt „Der Tisch“ ein Stück für vier Stimmen und Basso ostinato. Die vier Stimmen sind die vier Überlebenden; das sich ständig wiederholende Bassmotiv ist das Fragen: was ist passiert, was genau ist passiert; an was wird sich erinnert und auf welche Art und Weise.

Vier Überlebende – zwei Frauen und zwei Männer – legen Zeugnis ab von einer Selektion in einer kleinen Stadt; über 1200 jüdische Menschen wurden Opfer dieser Aktion der Gestapo, Anfang der 1940er Jahre.

Solche Aktionen sind der Kristallisationspunkt des Stückes und des Werkes von Ida Fink. Selbst Überlebende jener Aktionen, schreibt sie vom Aufkommen des Begriffes ‚Aktion‘, von den Geschehnissen währenddessen, von der Ausgesetztheit der Opfer, dem Sterben der Menschen, dem Leben der Menschen – dem Menschen selbst.

1921 im ostpolnischen Zbaraž, dem heute ukrainischen Sbarasch geboren, überlebte Ida Fink verschiedene Selektionen in ihrer Heimatstadt und schließlich mit falscher Identität – als polnische Zwangsarbeiterin – in Deutschland. 1957 wanderte die studierte Musikerin von Polen nach Israel aus, wo sie 2011 starb.
Als Schriftstellerin debütierte sie spät; 1985 erhielt sie den erstmals verliehenen Anne Frank-Literaturpreis, 2008 den Israel-Preis für Literatur u.a.
Für Yad Vashem führte Ida Fink Interviews mit anderen Überlebenden. Neben ihren eigenen, authentischen Erfahrungen finden sich in „Der Tisch“ weitere Perspektiven und Zeugenschaften. Fiktiver Ausgangspunkt sind Zeugenbefragungen für einen Prozess gegen die Täter.

Die deutschsprachige Erstaufführung findet nun in einem Haus der Täter statt, in der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz, wo am 20. Januar 1941 die Besprechung zur „Endlösung der Judenfrage“ abgehalten wurde.
Am 20. Januar 2018 wird das Publikum dort, bei einem Gang durch die Ausstellung, erstmals eine Inszenierung von Ida Finks „Der Tisch“ zu sehen bekommen.

Es spiel-t-en Laura Mitzkus / Heidi Wagner, Isabella Szendzielorz / Astrid Kohlhoff, Tim Mackenbrock / Manolo Palma, Charles Toulouse; Christian Tietz inszeniert.

Deutschsprachige Erstaufführung am 20. Januar 2018 im Haus der Wannsee-Konferenz. Wiederaufnahme am 26. Januar 2019 im TAK, im Theater im Aufbau-Haus. – Im Anschluss an die Vorstellung am 27.1. fand eine Podiumsdiskussion statt: „Der Genozid von 1942 und der Antisemitismus von 2019.“  Mit Susanne Heim (Institut für Zeitgeschichte München), Gideon Botsch (Moses Mendelssohn Zentrum Potsdam), Naomi Czernetzki (Halvorsen Schule Berlin), Gunnar Meyer (BildungsBausteine e.V.) – Den Flyer der Veranstaltung gibt es hier.

Am Sonntag, 21. Februar 2021 zeigten wir das Stück als Stream, auf dringeblieben.de  – Anschließend fand ein Publikumsgespräch auf Zoom statt: „Eine Massenerschießung, die Rechtsprechung und ein Theaterstück.“ Mit Dr. Tina Heidborn (Moderation; Osteuropa-Historikerin und Journalistin), Dr. Hans-Christian Jasch (Rechtshistoriker, Co-Autor „Der Holocaust vor deutschen Gerichten), Ingrid Damerow (Osteuropa-Historikerin; Recherche für die DEA im Haus der Wannsee-Konferenz) & dem Ensemble.

Kritiken der Erstaufführung: in der taz vom 22.01. (pdf) sowie im Neuen Deutschland vom 27/28.01. (pdf).

Mit freundlicher Unterstützung der Heinz und Heide Dürr Stiftung, der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz sowie dem Haus der Jugend Zehlendorf.

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Charles Toulouse, Isabella Szendzielorz, Tim Mackenbrock, Laura Mitzkus; Fotos: Kai Otte

SIMON WINKLER 1986-2007 SCHAUSPIELER

Ein Recherche-Theater-Projekt von Filou · AMG · Vajswerk

Ausgezeichnet mit dem amarena-Förderpreis des Bundes Deutscher Amateurtheater 2017

SIMON WINKLER 1986-2007 SCHAUSPIELER wird ein Stück über einen jungen Menschen in einer kleinen Stadt. Der spielte Theater, ging auf die Schauspielschule und starb mit 21 Jahren an den Folgen eines Autounfalls. Wir zeigen seine Geschichte und zugleich die einer Jugend – und fragen uns: Was bleibt von einem Leben, das so kurz und so plötzlich vorbei war?

Nach einer Recherchephase im Frühjahr steht im Herbst eine Reihe Schauspieler auf der Bühne des Beckumer Stadttheaters, seines Theaters. Die Akteure sind zum einen seine Bekannten und zum anderen Schüler*innen des AMG, seiner Schule, des Albertus-Magnus-Gymnasiums.

Das gesammelte biographische Material – drei Antworten auf drei Fragen – ist der eine Teil der Inszenierung, der andere sind die Filmausschnitte mit Simons Rollen bei Filou: Der Bürger als Edelmann, Frohes Fest, Bubblegum und Brillianten, Norway.Today, Klasse der Besten, Hamlet. Es entstehen unterschiedliche Bilder eines Menschen: durch Erzählungen, Kameraaufnahmen, Rolleninterpretationen, Schülerimprovisationen.

Die Jugendlichen von heute sind schon auf der Bühne, die Jugendlichen von damals treten hinzu – sie kommen wie gerufen und spielen mit. Die schriftlichen Antworten werden zu mündlichen, die Antwortenden werden zu Mitspielern. In dem Augenblick eines Theaterabends bildet sich ein Ensemble aus Jugendlichen, jetzigen und damaligen, mit einem Jugendlichen in ihrer Mitte, Simon Winkler. – Das Stück wird keine Gedenkveranstaltung; es handelt vom Tod, aber mehr noch vom Leben und vom Theater.

Mit Anja Plassmann, Anna Hillmer, Christian Tietz, Felicitas Braun, Hilde Broschk, Joshua Engel, Marina König, Markus Berkemeier, Melanie Jantzen, Nisa Dinc, Tabea Lotka, Tendayi Plokarz.
Regie & Idee: Christian Tietz, Filmaufzeichnung: Kalla Füchtenkamp, Schnitt: Felicitas Braun

Die beiden Aufführungen waren am 18. und 19. November 2017 im Stadttheater Beckum zu sehen. Die Projektpräsentation samt Preisverleihung fand am 28. September 2018 beim bdat-Festival in Leipzig statt.

Trailer:

Stückdoku:

Photo: Norway.Today, 2005, Bühnenbildmodell von Christian Held

ANKUNFT BERLIN

ANKUNFT BERLIN. Ein Recherche-Theater-Projekt in zwei Teilen

Teil 1:
Im März 2017 wurden 15 junge Geflüchtete zu Autoren ihrer eigenen Geschichte: In zwei Workshops mit dem Medienpädagogen Paul Rieth und Projektleiter Mirko Winkelmann lernten sie Filmen und Schneiden – mit ihrem eigenen Mobiltelefon.

Sie berichteten von einem Ding, das sie vermissen, entbehren, das sie verloren haben. Von diesem verlorenen Ding erzählten sie an einem Ort, den sie selbst bestimmen, vor einem Kameramann, den sie selbst bestimmten.

Am Anfang und am Ende des Projekts kamen alle Jugendlichen zusammen; das Projekt startete mit dem gegenseitigen Kennenlernen bei der Eröffnungsveranstaltung und endete mit einer Präsentation vor Publikum. Ein Ergebnis der Workshops ist hier zu sehen:

Aufgrund des Persönlichkeitsrechts und in Absprache mit unserem Kooperationspartner, der sozialpädagogischen Praxis Langer, können an dieser Stelle leider nicht alle Ergebnisse der Workshops veröffentlicht werden.

Unser Dank gilt allen Teilnehmern und Unterstützer*Innen des Projekts.

Projektleitung: Mirko Winkelmann
Assistenz: Margarita Iov; Janetta Stroutchenkov
Workshops: Paul Rieth, Mirko Winkelmann
Pädagogische Mitarbeit: Marcus Heusel

In einem zweiten Teil von ANKUNFT BERLIN entwickelt Vajswerk eine historische Perspektive und blickt vom Ende des 1. Weltkriegs auf hundert Jahre Immigration nach Berlin. Die aktuellen Erzählungen und Filme der jugendlichen Flüchtlinge aus dem ersten Teil von ANKUNFT BERLIN werden damit integraler Bestandteil eines Gesamtpanoramas, eines imaginären Museum der verlorenen Dinge.

Teil 2:

Ein zufälliger Ort, ein Warteraum, ein Café, ein Bahnhofscafé. An dieser Stätte – in einer Stadt namens Berlin – führt das Schicksal sechs Menschen zusammen. Das Schicksal? Die Geschichte, unsere Geschichte, unser Stück. Sechs Biographien, die sich in einem Punkt kreuzen, aber hundert Jahre durchmessen und in verschiedenen Teilen der Welt beginnen: in Indochina, im osmanischen Reich, in der Sowjetunion, in Jugoslawien, in Galizien, in Schlesien, im Sudentenland.

Die sechs Menschen kommen aus Ländern, die mittlerweile nicht mehr existieren, zu neuen Staaten wurden, an andere Staaten fielen. Jetzt befinden sich diese Sechs auf einer Theaterbühne. Nicht als authentische Figuren im historischen Gewand. Biograph*innen haben nach ihnen recherchiert, sind in Archive gestiegen, haben Erinnerungen gelesen, Interviews geführt – haben für ein imaginäres Museum nach verlorenen Dingen gesucht. Sie sprechen.

In der Wirklichkeit des Theaters kommen diese Menschen zusammen, im Laufe eines Theaterabends entfalten sich ihre Lebensgeschichten, werden zum Panorama unserer Stadt. Erzählt wird anhand von Exponaten, so wie es sich für ein Museum gehört. Die Spielfassung gleicht einem Ausstellungskatalog, wie es Orhan Pamuk in seinem Roman „Das Museum der Unschuld“ beschreibt: die Summe der einzelnen Gegenstände ergibt die Geschichte, hier die Geschichte von sechs Menschen. Wie beim Literaturnobelpreisträger wird das Vajswerk-Museum „ausgewiesenermaßen ein Ort zum Leben.“

Teil 1 wird gefördert vom Berliner Projektfonds Kulturelle Bildung. Die Uraufführung von Teil 2 steht noch aus.